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Kokosfett - Wundermittel oder Gift?

©moho_pixabay.com„Als Besitzerin eines Professorentitels und zweier Doktortitel präsentiert man die Wahrheit, die Wahrheit selbstverständlich aufgrund von wissenschaftlichen Daten.“

So jedenfalls lauten die Eingangsworte des Vortrags „Kokosöl und andere Ernährungsirrtümer“ von Prof. Karin Michels, Direktorin des Instituts für Prävention und Tumorepidemiologie der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg.

Nur – auf diese Daten wartet der Zuhörer vergeblich. Stattdessen werden von ihr folgende Aussagen gemacht: „Kokosfett sei das reinste Gift!“ Denn – so Prof. Michels: „Kokosfett sei schlimmer als Schweineschmalz, weil es noch mehr gesättigte Fettsäuren habe. Diese würden Herzkranzgefäße verstopfen und zum sicheren Herztod führen. Kokosfett sei bei Raumtemperatur immer fest und ginge direkt in die Koronararterien.“ „Kokosfett sei eins der schlimmsten Nahrungsmittel überhaupt, die man zu sich nehmen könne.“

Und weiter behauptet Prof. Michels: „Es gibt nicht eine einzige Studie am Menschen, die irgendeine positive Wirkung zeige.“ Da hat sie sich offensichtlich nicht gut informiert, denn diese Studien gibt es zahlreich. Schon bei der Recherche über ‚Pubmed‘, einer medizinischen Metadatenbank, springt einem eine Vielzahl wissenschaftlicher Studien zu Kokosöl und dessen gesundheitlicher Wirkungen ins Auge. Etliche davon aus dem Humanbereich! Unter anderem über die positive Wirkung von mittelkettigen Fettsäuren (MCTs) auf das Herzkreislaufsystem. Zu dieser Gruppe gehört auch die Laurinsäure, von der im Kokosöl ca. 50 % enthalten ist. Die MCTs haben ferner wegen ihrer leichten Verdaulichkeit eine positive Wirkung auf das Verdauungssystem; Leber, Galle und Pankreas werden entlastet.

MCTs werden im Darm nach Aufspaltung in Monoglyceride (eine an ein Glycerin-Molekül gebundene Fettsäure) freie Fettsäuren direkt vom Blut aufgenommen. Über das Blut gelangen sie zur Leber. Hier werden MCTs in Energie verbrannt; es erfolgt keine Fettablagerung im Fett-Speichergewebe.

Es gibt wissenschaftliche Nachweise zur antimikrobiellen Wirkung von Kokosöl und zum Einfluss von Kokosöl, z.B. an Alzheimerpatienten, deren kognitive Leistungen durch dieser Art Nahrungsergänzung ganz offensichtlich verbessert werden konnten. Ein Wundermittel, welches Alzheimer heilen kann, ist es damit nicht. Aber die gesundheitlichen Effekte des Kokosöls sind nicht von der Hand zu weisen.

Und es gibt noch einen überragenden Vorteil von Kokosfett: Es wird wegen seines hohen Gehalts an gesättigten Fettsäuren nicht so schnell ranzig wie andere Öle und Fette. Da es extrem hitzebeständig ist, eignet es sich hervorragend zum Braten oder Frittieren von Speisen. Übliche Pflanzenöle mit einem mehr oder weniger hohen Anteil an mehrfach ungesättigten Fettsäuren und niedrigerem Rauchpunkt erleiden bei starker Erhitzung Qualitätsverluste bzw. führen zur Entstehung toxischer Abbauprodukte, z.B. Transfetten und Peroxiden. Nicht so Kokosfett. Dieser Aspekt wird von Prof. Michels nicht einmal erwähnt. Von „wissenschaftlich“ sollte man doch mehr erwarten, als einseitige populistische Aussagen, die wenig Recherche vermuten lassen oder versteckte Interessen.

Für die Aussage „Kokosfett sei das reinste Gift!“ hat Prof. Michels sich immerhin kürzlich entschuldigt.

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