Hunde

Warum Hunde keine Rinder fangen

©Britta_und_Ralph_Hoppe_fotolia.deDie Antwort ist simpel: Kühe sind zu groß. Bei weltweiten Untersuchungen von Straßenhunden zeigte sich bisher, dass sie anders als Wölfe keine Jagdgemeinschaften auf Großwild bilden. In der Natur würde der Hund also gut wie nie an Rindfleisch kommen, höchstens mal als Aas. Doch was passiert, wenn es trotzdem unser meist verfüttertes Fleisch ist?

Bei wildlebenden Tieren wie Kaninchen, Fasan oder auch Reh ist die Verteilung der Nährstoffe, besonders in der Leber, anders. Während der Anteil an Vitamin A sehr viel geringer ist, sind Kupfer und Zink in weitaus höherer Konzentrationen enthalten. So hat Damwildleber doppelt so viel Kupfer und Zink und nur halb so viel Vitamin A als Rindsleber. Ein Überschuss an Vitamin A kann zu Knochenzubildungen führen, von daher ist die Wildleber wertvoller für unsere Hunde und lässt sich nicht eins zu eins gegen Rinder- oder Hühnerleber austauschen. Der Anteil in der Fütterung sollte sich dabei an einem Beutetier orientieren und nicht mehr als 3-5 % des Fleischanteils betragen und muss, wenn es keine Wildleber ist, eventuell mit einer natürlichen Nährstoffmischung ergänzt werden.

Auch hinsichtlich der Knochen sollte man bedenken, dass Karkassen (Gerippe) von Kaninchen oder Hühnern nur ca. ein Zehntel der Calciumgehaltes haben, wie ein Rinderbrustbein. Erst ab dem 6. Lebensmonat sind Hunde in der Lage einen Calciumüberschuss auszuscheiden und ein zu viel kann zu Wachstumsstörungen und Harnsteinen führen. Der Kehlkopf eines Rindes enthält freie Schilddrüsenhormone und ist mengenmäßig nicht mit einem einzigen Hühnerhals zu vergleichen. Und mehr als ein Hals kommt in der Natur pro Beutetier nicht vor. Also bitte auch hier nicht eine ganze Mahlzeit aus Hühnerhälsen dem Hund vorsetzen, das kann zu einer Schilddrüsenüberfunktion führen. Als kontrollierbare Jodquelle bietet sich hier Seealgenmehl an.

Gerade der grüne Pansen gilt als äußert wertvoll. Sind in ihm doch noch viele Nährstoffe und Lebendenzyme enthalten. Jetzt werden Wildkaninchen und Rehe aber nicht zum Winter eingestallt. Und hier kommt bei den Rindern dann oft Kraftfutter auf den Speiseplan. Leider kann dieses dann zu einer vermehrten Glyphosat-Belastung, vor allem des Verdauungstraktes, führen. Gerade im Winter sollte man versuchen auf Schafspansen auszuweichen.

Und noch etwas. Die Einhaltung der Wartezeit von Medikamenten (Zeit zwischen der letzten Medikamentengabe und der Schlachtung) bedeutet nicht, dass keine Rückstände mehr im Fleisch vorhanden sind, sondern nur, dass sie einen bestimmten Wert nicht überschreiten. Bei einigen Antibiotika liegt die Wartezeit bei Rindern oft nur bei wenigen Tagen, während dasselbe Antibiotika beim Pferd die doppelte Wartezeit hat und für Bio-Betriebe ist sowieso die doppelte Zeitspanne vorgeschrieben. Was also alles im Rindfleisch noch stecken mag, ihr Hund frisst es dann auch mit.

Rindfleisch, vor allem aus biologisch/ökologischer Haltung, ist eine gute und wertvolle Fleischquelle für unsere Hunde, auch wenn sie es selber höchstens vereinzelt erbeuten würden. Sich an der Natur zu orientieren, kann aber nicht bedeuten, ein ganzes Kaninchen gegen ein Pfund Muskelfleisch, Pansen oder Blättermagen des Rindes auszutauschen. Gerade Wild sollte immer wieder auch angeboten werden. Ab Herbst ist es meist auch in den Barf-Shops zu bekommen, ansonsten kann man im Sommer auf Reinfleischdosen ausweichen. Wenn unsere Hunde nicht mehr selber jagen, sondern wir stattdessen für sie einkaufen gehen, kommt es auf uns an, für die nötige Abwechslung zu sorgen.

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