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Pferde eindecken in der Übergangszeit

©serg_did_fotolia.deNach dem langen Sommer sinken die Temperaturen und schon beginnen wir Menschen zu frieren - und decken unsere Pferde ein. Dabei liegt ihr thermoneutraler Bereich weit unter unserem: Während der Mensch nur bei Temperaturen zwischen 20 und 35 Grad keine Energie aufbringen muss, um sich zu wärmen, liegt der Wohlfühlbereich bei Pferden zwischen 5 und 15 Grad. Erst bei cirka minus 10 Grad beginnen Pferde über die Aktivierung des Stoffwechsels für mehr Körperwärme zu sorgen. Dagegen gefährdet übermäßiges Eindecken das Pferd sogar. Wenn im Herbst die Temperaturen über Tag steigen, kann Stress bis hin zu Koliken und Hitzschlag die Folge sein.

Die Natur hat keine Übergangs-, Outdoor- oder Kombi/Regendecken vorgesehen. Dafür gibt es die Thermoregulation des Pferdes. Das Winterfell hat sich unabhängig von der Außentemperatur gebildet. Seit der Sommersonnenwende am 21. Juni werden die Tage wieder kürzer, und die abnehmende Tageslichtlänge ist das Signal für den Fellwechsel. Bei wärmeren Temperaturen wird das Fell weniger lang und dicht. Bei kühlen Herbstwetter kann das Winterfell bis zu 30 % dichter sein als das Sommerfell. Das Pferd kann seine Haare aufstellen, drehen und auch anlegen, um die Stärke der Isolierung zu beeinflussen. Allerdings muss es dafür seine Haarbalgmuskeln trainieren können, was mit einer Decke kaum möglich ist. Die Talgschicht des Fells schützt vor Nässe und sollte nicht durch ständiges Ausbürsten entfernt werden.

Fettpolster isolieren dreimal so stark wie andere Gewebe. Deswegen würden Pferde in freier Natur bis zum Ende des Sommers ca. 20 % an Gewicht zulegen. Über den Winter sollten diese zusätzlichen Reserven aber wieder verbraucht werden. Die Auflösung der Fettdepots hat den zusätzlichen Effekt einer natürlichen Entgiftung, da sich in diesen Schadstoffe ablagern. Natürlicherweise ist die Winterzeit eine karge Zeit, in der sich die Pferde vor allem von trocken Blättern, Rinden, Wurzeln und Vitamin C haltigen Beeren wie Hagebutte ernähren. Getreidekörner wie Hafer sollten nur bei Bedarf gegeben werden. Pferde, die übergewichtig in den Frühling starten, sind extrem Hufrehe gefährdet.

Innerlich produziert der riesige Blinddarm beim Pferd enorme Wärmemengen, die es vor Auskühlung schützen. Raufutter sollte den Pferden deshalb immer zur Verfügung stehen, auch oder gerade auf den Winterpaddocks. Bei Kälte verengen sich die Arterien und verlangsamen so den Fluss des Blutes, um zusätzlich ein Auskühlen zu verhindern. Während der warmen Herbsttage werden die Gefäße weit gestellt, der Blutfluss erhöht sich und Arterien an der Körperoberfläche werden vermehrt durchblutet. Bei Bedarf werden auch die Schweißdrüsen aktiv.

Gesunde Pferde sind also nicht nur ohne Decke bestens gegen Kälte geschützt, sondern können nur so die Mechanismen der Thermoregulation einsetzen. Kranke, sehr dünne aber auch geschorene Pferde müssen dagegen eventuell schon im Herbst bei niedrigeren Temperaturen oder feuchtkalter Nässe eingedeckt werden. Das sollte immer individuell entschieden werden und ist nicht vom eigenen Temperaturempfinden abhängig.

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