Das Mikrobiom des Hundes

– warum die Darmflora für Gesundheit, Verdauung und Wohlbefinden so wichtig ist

05/K

Mikrobiom Hund Bild 1

Dass die Fütterung eines Hundes seine Gesundheit maßgeblich beeinflusst, ist heute unbestritten. Weniger bekannt ist jedoch, welche zentrale Rolle der Darm dabei spielt. Denn dort lebt eine riesige Gemeinschaft von Mikroorganismen, die für die Gesundheit und das Wohlbefinden von enormer Bedeutung ist. Diese Gemeinschaft wird als intestinales Mikrobiom oder auch Darmmikrobiom bezeichnet und übernimmt vielfältige Aufgaben im Organismus.

Mikrobiom Hund Summary

Was ist das Mikrobiom überhaupt?

Als Mikrobiom bezeichnet man allgemein die Gesamtheit aller Mikroorganismen, die ein Lebewesen besiedeln. Diese mikrobielle Einheit findet sich im Körper an vielen Stellen: Auf der Haut oder Schleimhaut im Nasen-Rachen-Raum, im Urogenitaltrakt und vor allem im Darm. Da der Darm aufgrund seiner enormen Oberfläche die größte Kontaktfläche zur Umwelt darstellt, kommt dem dort angesiedelten Mikrobiom eine besonders große Bedeutung zu.

Das Mikrobiom besteht überwiegend aus Bakterien, umfasst jedoch auch Pilze, Viren und verschiedene Einzeller. Besonders dicht besiedelt ist der Dickdarm. Dort herrschen ideale Bedingungen für eine Vielzahl von Keimen, die in engem Austausch mit dem Organismus stehen. Die genaue Zusammensetzung des Mikrobioms ist bei jedem Hund individuell. Unter den im Darm vorkommenden Keimen finden sich sowohl für den Hund nützliche, die als Symbionten bezeichnet werden, als auch potenziell schädliche, die sogenannten Pathobionten. Ein gesundes Mikrobiom zeichnet sich durch ein stabiles Gleichgewicht aus. Gerät dieses aus der Balance, kann das weitreichende Folgen für die Gesundheit haben.

Aufgaben des Mikrobioms

Das Darmmikrobiom übernimmt auch beim Hund zahlreiche wichtige Aufgaben. Dazu gehört neben der Aufnahme von Nährstoffen über die Darmschleimhaut auch die Verwertung von Ballaststoffen und anderen Nahrungsbestandteilen, die der Hund selbst nicht vollständig aufschließen kann. Dabei entstehen unter anderem kurzkettige Fettsäuren, die den Darmzellen als Energiequelle dienen und die Darmschleimhaut unterstützen.

Darüber hinaus trägt das Mikrobiom zur Synthese und Bereitstellung bestimmter Vitamine und Aminosäuren sowie zur Produktion von Vorstufen wichtiger Neurotransmitter bei. Es spielt außerdem eine zentrale Rolle bei der Stimulation und Regulation des Immunsystems, unterstützt die Darmbarriere und hilft dabei, unerwünschte Stoffe und schädliche Einflüsse abzuwehren. Ein stabiles Mikrobiom trägt außerdem zur Aufrechterhaltung eines gesundheitsfördernden Darmmilieus bei. Es sorgt mit dafür, dass nützliche Bakterien überwiegen und sich problematische Keime nicht ungehindert ausbreiten können. Weil das Mikrobiom eng mit Darm, Immunsystem und Nervensystem verknüpft ist, beeinflusst es nicht nur die Verdauung, sondern auch die allgemeine Gesundheit und sogar das Verhalten.

Dysbiose – wenn das Mikrobiom aus dem Gleichgewicht gerät

Bei Erkrankungen des Verdauungstraktes kann es zu einer starken Vermehrung von Pathobionten kommen, wodurch nützliche Mikroorganismen verdrängt werden. Es gibt viele Faktoren, die das Darmmilieu belasten können. Ein häufiger Auslöser sind Antibiotika, denn sie unterscheiden nicht zwischen problematischen und nützlichen Bakterien. Etwa 30 Prozent der Hunde zeigen nach einer Antibiotikagabe langanhaltende Dysbiosen. Umso wichtiger ist es, den Darm nach einer solchen Behandlung gezielt zu unterstützen. Auch Stress spielt eine größere Rolle, als viele vermuten. Veränderungen im Alltag, Reisen, Umzüge, Trainingsdruck oder soziale Spannungen können sich direkt auf den Verdauungstrakt auswirken. Denn der Darm und seine Bewohner reagieren mitunter sehr empfindlich auf innere und äußere Belastungen.

Weitere Einflussfaktoren sind Parasiten, akute Infektionen, stark verarbeitete Nahrung, häufig wechselnde Snacks, minderwertige Futterzutaten oder eine dauerhaft unausgewogene Fütterung. Auch eine zu schnelle Futterumstellung kann das Mikrobiom vorübergehend aus dem Takt bringen.

Mikrobiom Hund Bild 2

Woran erkennt man ein gestörtes Darmmikrobiom beim Hund?

Oft zeigen sich die ersten Hinweise auf ein gestörtes Mikrobiom eher unspezifisch. Viele Hunde reagieren zunächst mit Verdauungsstörungen wie chronischem Durchfall, Verstopfung, Blähungen, wechselnder Kotkonsistenz, Appetitlosigkeit oder einem empfindlichen Magen. Auch Grasfressen oder sogenannte „Licky Fits“, also plötzliche Leckanfälle mit vermehrtem Speicheln und Luftschlucken, können im Zusammenhang mit Magen-Darm-Belastungen auftreten. Auch wenn solche Symptome unterschiedliche Ursachen haben können, lohnt es sich, ein potenzielles Ungleichgewicht der Darmflora im Blick zu haben.

Da ein großer Teil der Immunabwehr im Darm angesiedelt ist, wirkt sich ein gestörtes Mikrobiom oft auch auf das Immunsystem aus. Über die riesige Fläche der Darmschleimhaut kommt der Organismus täglich mit Nahrungsbestandteilen und potenziell schädlichen Stoffen in Kontakt. Das Mikrobiom übernimmt dabei eine wichtige Vermittlerrolle, denn es hilft dem Immunsystem, zwischen harmlosen und belastenden Reizen zu unterscheiden. Neben einer erhöhten Infektanfälligkeit kann eine gestörte Darmflora auch die Durchlässigkeit des Darmes erhöhen und zum sogenannten „Leaky-Gut-Syndrom“ führen. Dadurch können Schadstoffe, Bakterien oder unverdaute Futteranteile ins Blut gelangen, was Allergien, Futtermittelunverträglichkeiten oder Autoimmunerkrankungen begünstigt.

Auch Hautprobleme mit Entzündungen und Juckreiz oder wiederkehrende Ohrenbeschwerden können mit einer gestörten Darmflora zusammenhängen. Bei diesen Symptomen sollte daher nicht nur lokal behandelt, sondern auch die Darmgesundheit überprüft werden.

Besonders spannend ist der Einfluss des Mikrobioms auf psychische Gesundheit und Verhalten, denn der Darm steht in ständigem Austausch mit dem Gehirn. Über Nervenbahnen, Botenstoffe, Immunreaktionen und mikrobielle Stoffwechselprodukte beeinflussen sich beide Systeme gegenseitig. Deshalb kann ein aus dem Gleichgewicht geratenes Mikrobiom nicht nur Verdauungsprobleme begünstigen, sondern auch Unruhe, Stressanfälligkeit und Verhaltensauffälligkeiten verstärken. Hinzu kommt, dass Hunde mit Fehlbesiedlungen des Darms oft schlechter lernen, sich schlechter konzentrieren können und schneller in emotionale Reaktionen kippen. Gerade bei sensiblen oder verhaltensauffälligen Hunden lohnt sich deshalb immer auch ein genauer Blick auf die sogenannte Darm-Hirn-Achse.

Wie kann ich die Darmflora meines Hundes unterstützen?

Eine naturnahe, gut verträgliche und bedarfsgerechte Ernährung ist der wichtigste Beitrag zu einem gesunden, stabilen Darmmilieu.

Bei der Therapie einer Dysbiose spielen Präbiotika wie bestimmte Ballaststoffe eine wichtige Rolle. Dabei handelt es sich um unverdauliche Nahrungsbestandteile, die den erwünschten Darmbakterien als Substrat dienen und so deren Wachstum gezielt fördern. Getreide als Ballaststoffquelle eignet sich für den Hund jedoch nicht. Auch sollte auf überladene Mischungen, die ausschließlich die Kotmenge erhöhen, verzichtet werden. Empfehlenswert sind stattdessen die in Äpfeln enthaltenen löslichen Ballaststoffe, die Pektine. Sie können das Darmmilieu unterstützen, Wasser binden und zugleich dazu beitragen, eine gestörte Darmflora zu stabilisieren.

Ebenso kann die Möhrensuppe nach Moro eine sinnvolle Unterstützung sein. Durch das lange Kochen der Karotten entstehen spezielle Zuckerverbindungen, die es unerwünschten Keimen erschweren, sich an der Darmwand festzusetzen. Auch Probiotika können den Darm gezielt unterstützen. Dabei handelt es sich um probiotisch wirkende Bakterienstämme, die das mikrobielle Gleichgewicht fördern. Vor allem nach Magen-Darm-Infektionen, Futterumstellungen oder Antibiotikagaben kann ihr Einsatz hilfreich sein.

Auch Präparate mit Huminsäuren, wie sie beispielsweise in Trockenmoor enthalten sind, fördern ein gesundes Gleichgewicht im Darm. Sie binden Giftstoffe und Bakterientoxine und bilden zugleich eine schützende Schicht auf der empfindlichen Darmschleimhaut. Zeolith entgiftet und fördert einen gesunden pH-Wert im Darm. Ebenso haben sich die in der Bartflechte enthaltenen Flechtensäuren bei Dysbiosen bewährt. Sie reduzieren das Wachstum unerwünschter Keime im Darm und schaffen so den nützlichen Keimen bessere Bedingungen für ihre Vermehrung.

Fazit

Das Darmmikrobiom ist als sensibles Ökosystem weit mehr als nur ein Teil der Verdauung. Es beeinflusst das Immunsystem, die Nährstoffverwertung, die Darmbarriere und sogar das Verhalten. Gerät dieses empfindliche Gleichgewicht aus der Balance, kann sich das auf viele Bereiche des Körpers auswirken. Umso wichtiger ist es, die Darmflora bei gesundheitlichen Auffälligkeiten stets mit im Blick zu haben.

Allgemein Dog

You might also be interested in