Mittelmeerkrankheiten beim Hund: Leishmaniose & Co. im Blick

Vektorübertragene Erkrankungen beim Hund Teil 2: Reise- oder Mittelmeerkrankheiten

06/J

Reisekrankheiten 2 Summary

Im ersten Beitrag unserer kleinen Serie haben wir uns bereits mit den vektorübertragenen Erkrankungen befasst, mit denen sich ein Hund innerhalb von Deutschland infizieren kann. Vektoren, also Überträger, können dabei Zecken, Flöhe oder auch Würmer sein. Zusätzlich zu den bereits genannten Krankheiten existieren in den europäischen Urlaubsländern Vektoren, die deutlich schwerwiegendere Erkrankungen übertragen, die sogenannten Reise- oder Mittelmeerkrankheit beim Hund. Das Immunsystem von Hunden, deren Vorfahren bereits seit Generationen in diesen Ländern leben, hat sich auf die dort vorkommenden Erreger eingestellt. Somit sind die Durchseuchungsraten bei den Hunden vor Ort oder auch bei einem Hund aus dem Ausland zwar oft relativ hoch, aber viele dieser Hunde zeigen nur leichte Symptome oder sind komplett symptomfrei. Ganz anders verhält es sich bei Hunden, die von Deutschland aus in den Urlaub mitgenommen werden. Deren Immunsystem hatte in der Regel noch nie Erregerkontakt und die Hunde erkranken häufig klinisch viel stärker. Es ist daher sehr wichtig, dass sich Hundehalter vor der Reise über die im Urlaubsland vorkommenden Krankheiten informieren und entsprechend Vorsorge für ihr Tier treffen. Die bedeutendsten Reisekrankheiten sollen im Folgenden vorgestellt werden.

Mittelmeerkrankheiten: Leishmaniose, Ehrlichiose und Hepatozoonose

Die Leishmaniose ist eine durch Einzeller, den Leishmanien, ausgelöste Erkrankung, die vor allem in Südeuropa vorkommt. Der Erreger beim Hund ist Leishmania infantum. Er wird durch den Stich der wärmeliebenden Sandmücke übertragen, welche vorwiegend in der Dämmerung und in der Nacht aktiv ist. Unbehaarte Körperstellen wie Ohren, Nasenspiegel und Bauch sind typische Lokalisationen, an denen sich die Sandmücke niederlässt, um Blut zu saugen. Oft entstehen an der Stichstelle auffällige flächige Entzündungen, die bei der Heilung Narben bilden. Die Inkubationszeit kann bis zu 8 Jahre betragen und in vielen Fällen ist die Urlaubsreise längst vergessen, wenn erste Symptome auftreten. Betroffene Hunde zeigen oft Hautentzündungen mit Haarausfall um die Augen (Brillenbildung), an den Ohrrändern oder der Nase, beschleunigtes Krallenwachstum oder blutige Entzündungen der Ballen. Bei manchen Hunden verläuft die Erkrankung jedoch ausschließlich innerlich mit Vergrößerung von Milz, Leber und Lymphknoten, Blutarmut und Augenentzündungen. Im Verlauf kommen oft Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust, Schlappheit oder Lahmheit hinzu, die Hunde wirken apathisch und sind nicht belastbar. Die Erkrankung ist nicht heilbar und tritt häufig schubweise immer wieder auf. Die Leishmaniose ist eine schwerwiegende Erkrankung, wenn sie bei einem Hund ausbricht. Sie kann ohne Behandlung zu Organschäden und zum Tod durch Nierenversagen führen. Eine direkte Ansteckungsgefahr ist für den Hundebesitzer oder andere Hunde bei normalem Kontakt ausgeschlossen. Allerdings sollten betroffene Hunde kein Blut spenden und nicht zur Zucht eingesetzt werden. 

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Die Ehrlichiose ist eine bakterielle Erkrankung, die beim Hund durch den Erreger Ehrlichia canis ausgelöst wird. Die Übertragung erfolgt durch den Stich der Braunen Hundezecke, die in den warmen Urlaubsländern Südeuropas heimisch ist. Nach einer Inkubationszeit von 1-3 Wochen kommt es häufig zunächst zu akuten Symptomen mit Schlappheit, Fieber, Lymphknotenschwellungen und Magen-Darm-Störungen. Durch eine Beeinträchtigung der Blutgerinnung können die Hunde unter Nasenbluten, Zahnfleischbluten oder punktförmigen Einblutungen der Haut leiden, die beim Hund oft am Bauch oder der Innenseite der Oberschenkel sichtbar sind. Trotz Behandlung ist bei den meisten Hunden der Übertritt in eine chronische Phase zu beobachten, in welcher die Tiere oft unauffällig erscheinen. Langfristig kann es jedoch zu Folgeschäden wie Augenveränderungen, Blutarmut und Nierenversagen kommen, da sich die Erreger kaum eliminieren lassen. Die direkte Übertragung von Hund zu Mensch oder auf andere Hunde ist ausgeschlossen, es besteht keine Ansteckungsgefahr.

Die Hepatozoonose wird in den südeuropäischen Urlaubsländern in der Regel von der Braunen Hundezecke übertragen, nur sehr selten sind Igelzecken die Vektoren. Der Erreger Hepatozoon canis gehört zu den Einzellern und die Infektion erfolgt bei dieser Erkrankung nicht mit dem Zeckenstich, sondern erst mit dem Abschlucken zerkauter Zeckenteile. Somit sind vor allem Hunde gefährdet, die zu den sogenannten „Zeckenknackern“ gehören. Über den Darm des Hundes werden abgeschluckte Erreger ins Blut aufgenommen, wo diese eine bestimmte Untergruppe der weißen Blutkörperchen, die neutrophilen Granulozyten, befallen. Mit der Vermehrung der Erreger gelangen diese dann in Knochenmark, Lymphknoten und Muskulatur, auch die Milz ist häufig betroffen. Hunde mit intaktem Immunsystem sind oft symptomlos oder erkranken so milde, dass der Besitzer die Infektion nicht bemerkt. Aber es sind auch schwere Verläufe bekannt, vor allem in Kombination mit weiteren Erkrankungen oder nach der Gabe von Medikamenten, die das Immunsystem unterdrücken z.B. Kortison. Betroffene Hunde entwickeln dann Fieberschübe, Blutarmut, Muskelkrämpfe, Muskelsteifheit, Lymphknotenschwellungen oder es treten epileptische Anfälle auf. Die Behandlung ist kompliziert und es wird in der Regel keine Erregerfreiheit erreicht. Interessant ist, dass bei diesem Parasiten der Hund der Zwischenwirt und die Zecke der Endwirt ist. Eine Infektion des Menschen mit dem Erreger ist nicht bekannt.

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Herzwürmer & Hautwürmer beim Hund erkennen

Die Herzwurmerkrankung des Hundes wird auch Dirofilariose genannt, sie ist in den südlichen und östlichen Urlaubsländern Europas weit verbreitet. Der Erreger beim Hund ist der Fadenwurm Dirofilaria immitis, welcher über den Vektor Stechmücke übertragen wird. Die ausgewachsenen Herzwürmer werden bis zu 30 cm lang und bis zu 12 Jahre alt, sie sitzen vor allem in der Lungenarterie, aber auch im rechten Teil des Herzens. Sie verursachen dort Reizungen und Entzündungen und schädigen dadurch die innere Schutzschicht von Herz und Gefäßen. Die Larven der Herzwürmer werden Mikrofilarien genannt. Sie zirkulieren im Blut des Hundes und werden mit dem Stich einer Mücke aufgenommen und an den nächsten Wirt weitergegeben. Die Entwicklung der Larve zum erwachsenen Herzwurm dauert viele Monate, die genaue Zeitdauer ist abhängig vom Immunstatus des Hundes. In dieser Entwicklungsphase ist die Infektion schwer nachweisbar und der Tierhalter bemerkt über einen langen Zeitraum nichts von der Herzwurminfektion seines Hundes. Erst die ausgewachsenen Würmer verursachen die typischen Symptome der Krankheit wie Husten und Würgen, Hecheln, blass-bläulich verfärbte Schleimhäute und Atemnot. Im fortgeschrittenen Stadium kann es zu Leber- und Nierenversagen und plötzlichem Herztod kommen. Eine direkte Übertragung der Herzwurmlarven vom Hund auf den Menschen ist ausgeschlossen. Allerdings können sich neben dem Hund auch Hundebesitzer in den Urlaubsländern über Mückenstiche mit Herzwürmern infizieren. Der Mensch ist jedoch Fehlwirt und die Larven können sich nicht vollständig zu erwachsenen Würmern entwickeln.

Auch der bis zu 17 cm lange Hautwurm Dirofilaria repens gehört zu den Fadenwürmern, er ist im Süden und Südosten Europas weit verbreitet. Die ausgewachsenen Hautwürmer nisten sich im Bindegewebe der Unterhaut ein und verursachen dort Hautveränderungen. Sie bilden Knötchen, die immer wieder an verschiedenen Stellen auftreten und verschwinden können. Die Knötchen verursachen keine Schmerzen, aber manche Hunde reagieren mit Entzündungen und starkem Juckreiz, der die Tiere vor allem nachts stark plagt und allen den Schlaf rauben kann. Hunde mit gutem Immunsystem können symptomlos sein oder nur leichte Symptome zeigen, so dass Hautwurminfektionen oft lange unentdeckt bleiben. Die Würmer werden bis zu 5 Jahre alt und produzieren in dieser Zeit reichlich Mikrofilarien, die im Blut des Hundes zu finden sind. Die Übertragung erfolgt wie auch beim Herzwurm über Stechmücken. Die direkte Übertragung vom Hund auf den Menschen ist nicht möglich, da die Mücke als Vektor benötigt wird. Allerdings sind Hautwurminfektionen in den Urlaubsländern auch beim Menschen weit verbreitet, so dass sich Hundebesitzer bei der Reise vor Mückenstichen schützen sollten.

Wichtig: Sowohl Herz- als auch Hautwürmer gehören zu den Dirofilarien, allerdings sind die Herzwürmer viel bekannter als die Hautwürmer. In einigen Ländern kommt die Hautwurmerkrankung aber mittlerweile häufiger vor als die Herzwurmerkrankung. Vor der Einleitung einer Therapie ist daher darauf zu achten, dass innerhalb der Diagnostik eine sogenannte Filariendifferenzierung durchgeführt wird, damit auch der richtige Erreger behandelt wird und keine unnötigen Medikamentengaben erfolgen.

Prophylaxe

Zum Thema Zeckenprophylaxe haben wir bereits in verschiedenen Beiträgen berichtet, daher soll es an dieser Stelle vorwiegend um die Sandmückenprophylaxe gehen. Die nur etwa 2 mm großen beigefarbenen Sandmücken (Phlebotomen) gehören zu den Schmetterlingsmücken. Es existieren sehr viele Sandmückenarten, aber nur einige davon sind Überträger der Leishmaniose. Die Sandmückensaison umfasst je nach Witterung ungefähr die Monate April bis Oktober. Wenn möglich, sollten innerhalb dieser Zeit Reisen mit Hund in betroffene Länder vermieden werden. Wie andere Mücken auch, ist die Sandmücke sehr windanfällig. Sie ist daher weniger in Küstennähe, sondern eher im windstillen Landesinneren zu finden. Die Sandmücke fliegt ungern höher als 3 Meter. Bei der Buchung von Hotels oder Zimmern in den Urlaubsländern sollten Hundebesitzer die oberen Stockwerke bevorzugen. In der Zeit zwischen Dämmerung/Sonnenuntergang und Sonnenaufgang ist die Gefahr am größten, von einer Sandmücke gestochen zu werden. Da der Akt des Blutsaugens bei dieser Mücke mehrere Minuten dauert, werden vorwiegend ruhende oder schlafende Hunde gestochen. Hunde in Bewegung sind dagegen weniger gefährdet. Bei abendlichen Restaurant- oder Barbesuchen mit Gastronomie im Freien sollte der Hund daher besser in der Unterkunft bleiben. Hunde, die im Campingurlaub mitgenommen werden, sind den Mücken oft deutlich länger ausgesetzt und haben eine höhere Wahrscheinlichkeit sich zu infizieren. Es lohnt sich daher, Wohnmobile, Wohnwagen und Zelte zusätzlich mit imprägnierten Moskitonetzen abzusichern.

Fazit

Die in europäischen Urlaubsländern verbreiteten vektorübertragenen Erkrankungen verlaufen oft deutlich schwerer als die in Deutschland bekannten Krankheiten. Bei Reisen ins europäische Ausland sollte daher ergänzend zur naturheilkundlichen Prophylaxe ein chemischer Zecken- und Sandmückenschutz aufgetragen werden. Die oben genannten verhaltensprophylaktischen Empfehlungen können die Wahrscheinlichkeit einer Krankheitsübertragung zusätzlich verringern.

Karten zur Verbreitung der genannten Erkrankungen stellt der Verein Parasitus Ex e.V. zur Verfügung:

https://parasitosen.de/parasiten-europaweit/

PN Tabelle Mittelmeerkrankheiten 04 25