Sommerzeit – Fliegenzeit

Wie Kriebelmücken, Mücken und Bremsen unseren Pferden das Leben schwer machen

07/J

Endlich ist er da, der lang ersehnte Sommer. Für viele Pferde bedeutet dies täglichen Weidegang mit nahrhaften Gräsern und Kräutern und viel Bewegung an der frischen Luft. Gemeinsame Ausritte mit dem Pferdebesitzer schaffen schöne Erlebnisse mit unvergesslichen Momenten und neue Eindrücke. Doch was so idyllisch klingt, wird schnell zur Herausforderung. Denn mit den warmen Temperaturen kommen auch Plagegeister wie Fliegen, Mücken und Bremsen, die Pferden und ihren Haltern das Leben schwer machen.

Sommerzeit Fliegenzeit Pferd Summary

Lästige Insekten sind oft mehr als nur ein Ärgernis

Plötzlich summt und krabbelt es wieder überall, denn steigende Temperaturen begünstigen die Vermehrung der Insekten. Vor allem auf der Weide oder beim Ausreiten in der Nähe von Wäldern und Gewässern werden Pferde dann schnell zur Zielscheibe. Fliegen sammeln sich an den Augen, den Nüstern und an kleineren Wunden, Bremsen attackieren mit schmerzhaften Stichen, Mücken finden empfindliche Stellen wie Ohren, Bauchnaht und Schenkelinnenseite besonders attraktiv. Als Reaktion darauf zeigt das Pferd Juckreiz, Unruhe, nervöses Verhalten und nicht selten allergische Reaktionen. Manche Pferde scheuern sich Mähne und Schweifrübe wund, andere reagieren mit Quaddeln oder Entzündungen auf Insektenstiche. Im schlimmsten Fall entsteht das bekannte Sommerekzem, das oft vor allem empfindliche oder genetisch vorbelastete Pferde betrifft. Starker Juckreiz, Hautausschläge, Scheuerstellen und Unruhe können das Tier enorm belasten und sollten vom Tierhalter entsprechend ernst genommen werden.

Warum Pferde besonders empfindlich auf Insekten reagieren

Pferde haben empfindliche Haut. Besonders an Stellen, an denen die Haut dünn ist und die Tiere selbst nicht gut herankommen, stechen Fliegen, Mücken oder Bremsen am liebsten. Der Körper reagiert auf den Insektenspeichel mit Juckreiz, Schwellungen oder Hautentzündungen. Bei manchen Pferden reicht ein einziger Stich, um eine starke Reaktion hervorzurufen. Doch nicht jedes Pferd ist gleichermaßen betroffen. Manche Tiere scheinen nahezu immun gegen Insektenstiche, während andere schon bei wenigen Stichen mit starkem Juckreiz oder allergischen Symptomen reagieren. Die Symptome reichen von Hautrötungen und Scheuerstellen bis hin zu massiven allergischen Schüben, bei denen sich das Pferd blutig scheuert. Ein Grund kann eine geschwächte Hautbarriere oder ein belasteter Stoffwechsel sein. Ein weiteres Problem ist der Pferdeschweiß, der bei jedem Tier eine individuelle Zusammensetzung hat. Wenn Pferde schwitzen, ist das ein natürlicher und lebenswichtiger Prozess. Denn Schweiß reguliert die Körpertemperatur und schützt vor Überhitzung, vor allem bei Bewegung, Hitze oder Stress. Doch was viele Pferdehalter nicht wissen: Der Schweiß eines Pferdes wirkt wie ein Magnet auf Insekten. Denn Pferdeschweiß besteht nicht nur aus Wasser und Salz, sondern enthält auch Eiweiße, Fettsäuren und Harnstoff. Diese Mischung zersetzt sich auf der Haut durch Mikroorganismen und entwickelt dabei einen für uns oft kaum wahrnehmbaren, für Fliegen und Bremsen jedoch hochattraktiven Geruch. Besonders an warmen Tagen finden sich daher oft schnell ganze Schwärme rund um ein verschwitztes Pferd ein.

Ganzheitliche Insektenabwehr durch Kombination aus äußerem Schutz und innerer Unterstützung

Ein wirksamer Schutz vor Insekten verfolgt idealerweise einen ganzheitlichen Ansatz. Der äußere Schutz zielt darauf ab, das Pferd möglichst unattraktiv für Insekten zu machen und den direkten Kontakt zu minimieren. Dabei ist es entscheidend, Haut und Fell zu schonen und nicht zusätzlich zu reizen. Ein gepflegtes Fell, eine intakte Hautbarriere und der Verzicht auf aggressive Substanzen schaffen die Grundlage für eine wirksame äußere Abwehr. Ergänzend dazu ist die innere Unterstützung ein wichtiger Pfeiler der Insektenabwehr. Ein stabiler Stoffwechsel, ein gut funktionierendes Immunsystem und eine gesunde Haut von innen heraus machen das Pferd weniger anfällig für Insektenstiche und deren Folgen. Eine bedarfsgerechte Fütterung mit natürlichen Mikronährstoffen und Kräutern kann die körpereigene Abwehr stärken und das Tier insgesamt widerstandsfähiger machen.

Die Kombination aus äußerer Pflege und innerer Stabilität schafft die besten Voraussetzungen, um Pferde wirksam und nachhaltig vor Insektenbelastung zu schützen. Wer diesen ganzheitlichen Weg wählt, trägt aktiv zum Wohlbefinden und zur Ausgeglichenheit seines Pferdes in der herausfordernden Insektensaison bei.

Sommerzeit Fliegenzeit Pferd Bild 2

Fliegendecken und Masken als mechanischer Schutz

Fliegendecken schützen große Hautflächen auf dem Körper. Besonders effektiv sind Modelle mit Halsteil, Bauchlatz und Schweifschutz. So wird verhindert, dass Bremsen oder andere stechende Insekten an empfindliche Stellen gelangen. Eine Fliegenmaske bewahrt die empfindliche Augenpartie und die Ohren vor Fliegen und Mücken. Moderne Masken sind atmungsaktiv und bieten sogar UV-Schutz, sie sind daher ideal für sonnige Weidetage. Ohrenhauben oder Fliegenhauben schützen besonders bei Ausritten in wald- oder wassernahen Gebieten, wo Mücken in Massen auftreten. Diese Maßnahmen sind bereits äußerst effektiv und gehören zur Grundausstattung eines Pferdes.

Insektensprays mit natürlichen Inhaltsstoffen

Ergänzend zum mechanischen Schutz setzen viele Pferdebesitzer auf Insektensprays. Sie sollen Plagegeister möglichst langanhaltend fernhalten, ohne dabei Hautirritationen zu verursachen. Hier ist ein Blick auf die Inhaltsstoffe wichtig, denn auf Alkohol, Parfümstoffe oder aggressive Konservierungsmittel sollte zum Wohle des Pferdes verzichtet werden. Pflanzliche Inhaltsstoffe wie Geraniol, Holzextrakte und ätherische Öle halten höchst wirksam Insekten auf Abstand. Bei der Anwendung ist auf eine gleichmäßige Verteilung zu achten. Auch die Haut unter der Fliegendecke und an schwer zugänglichen Stellen wie dem Bauch oder der Innenseite der Hinterbeine sollte gut benetzt werden. Besonders vor dem Ausreiten empfiehlt es sich, das Pferd frisch einzusprühen. Pluspunkt: Der Nutzen beschränkt sich nicht allein auf das Pferd, denn auch der Reiter wird durch den schützenden Duftschleier wirksam vor Insekten abgeschirmt.

Sommerzeit Fliegenzeit Pferd Bild 1

Pflegende Unterstützung der empfindlichen Pferdehaut

Ein belastetes Hautmilieu ist für Insekten besonders attraktiv. Um das Pferd langfristig zu unterstützen, sind Pflegemaßnahmen daher entscheidend. Nach dem Reiten oder an heißen Tagen sollte Schweiß zunächst gründlich entfernt werden. Hier können rückfettende Shampoos und Seifen mit natürlichen Inhaltsstoffen wie Malvenextrakt, Aloe Vera oder Hamamelis nützlich sein. Zur anschließenden Hautpflege eignen sich Produkte mit Propolis, Aloe Vera oder Calendula, die die Regeneration beanspruchter Hautpartien unterstützen und helfen, kleine Wunden zu verschließen. Leichte Lotionen mit kolloidalem Silber verhindern bakterielle Sekundärinfektionen der Haut, wenn bereits Reizungen oder Entzündungen vorliegen.

Auch ätherische Öle können in Form von Hydrolaten zur Hautpflege verwendet werden. Sie beruhigen gereizte Hautpartien und stabilisieren das Hautmikrobiom. Teebaum Hydrolat wirkt desinfizierend, zusammenziehend und wundheilend. Es kann wunderbar zur Wundversorgung und bei bereits vorhandenen Insektenstichen eingesetzt werden. Rosmarin Hydrolat wirkt keimhemmend und fördert die Durchblutung der Haut. Pfefferminz Hydrolat wirkt kühlend und erfrischend. Aus dem Hydrolat gefrorene Eiswürfel eignen sich ausgezeichnet, um Schwellungen der Haut nach Insektenstichen zu behandeln.

Euphrasia: Pflanzlicher Helfer für gereizte Augen

An besonders heißen und trockenen Tagen sind Fliegen überall auf der Suche nach Feuchtigkeit und sitzen häufig auch in den Augenwinkeln von Pferden. Dadurch wird die Bindehaut gereizt und es kann zu einer Augenentzündung kommen. Eine regelmäßige Augenpflege hilft, die empfindlichen Sinnesorgane zu schützen. Wegen ihrer antiseptischen und abschwellenden Wirkung sind Präparate mit Augentrost (Euphrasia) ideal zur Reinigung und Pflege der Augen geeignet. Sie reizen und brennen nicht, wirken entzündungshemmend und regulieren den Flüssigkeitshaushalt der Augen. Neben den bekannten Euphrasia Augenpflege Tropfen gibt es auch Augenpflege-Tücher mit dem gleichen Wirkstoff. Die Tücher sind einzeln verpackt und lassen sich so hygienisch mit in den Stall, auf die Weide oder den Ausflug nehmen. Verschmutzungen in der Augenumgebung werden sanft entfernt und die beruhigenden und pflegenden Wirkstoffe lindern Reizungen sofort.

Hilfe von innen über gezieltes Fütterungsmanagement

Eine Überempfindlichkeit auf Insektenspeichel beruht oft auf einer allgemein erhöhten Allergiebereitschaft. Intensiver Weidegang auf energie-, eiweiß- und fruktanhaltigen Weiden, ergänzt durch stärkehaltige Getreide und Müsli, führen zu einer Schwächung des Darms und einer Überlastung von Leber und Niere. Die Haut springt als Ausscheidungsorgan kompensatorisch ein, ausgeschiedene Abfallstoffe reizen die Haut, stören das Hautmilieu und pathogene Keime können sich ansiedeln. Diese produzieren wiederum Stoffe, die Juckreiz auslösen können, Entzündungsreaktionen entstehen und das Allergierisiko steigt. Ist die Darmfunktion gestört, fehlt es an wichtigen Nährstoffen und auch das Immunsystem ist geschwächt, die Allergiebereitschaft steigt. Erforderlich ist eine Darmsanierung und eine Ausleitung mit Kräutern, vor allem mit Bitterkräutern, wodurch die Leber- und Nierenfunktionen gestärkt werden und die Haut als Ausscheidungsorgan entlastet wird. Eine Überversorgung mit Kraftfutter oder mit Eiweiß und Zucker auf fetten Wiesen muss vermieden werden. Sinnvoll ist es, sein Pferd schon vor Beginn des Fellwechsels abwechslungsreich mit Kräutern zu versorgen und so auf die Weidesaison vorzubereiten. Die Chancen, die Allergiebereitschaft zu mildern, sind dann groß.

Auch die Haltung beeinflusst das Insektenaufkommen

Die Stallhygiene ist in den Sommermonaten essenziell, um die Vermehrung von Insekten nicht noch zusätzlich zu fördern. So sollten Eimer und Tränken sauber gehalten und Mist regelmäßig entfernt werden. Stehendes Wasser in Pfützen und Regentonnen gilt es möglichst zu vermeiden, um Mücken potenzielle Brutplätze zu entziehen.

In besonders insektenreichen Gebieten, zum Beispiel in der Nähe von Teichen oder Waldrändern, kann ein Weidewechsel sinnvoll sein. In den frühen Morgen- oder späten Abendstunden sind Insekten besonders aktiv, in dieser Zeit sind empfindliche Pferde im Stall möglicherweise besser aufgehoben.

Fazit: Gute Vorbereitung ist der beste Schutz

Ein wirksamer Insektenschutz für Pferde ist im Sommer unverzichtbar. Mit einer Kombination aus mechanischen Schutzmaßnahmen, natürlichen Abwehrstoffen, gepflegter Haut, einer ausgewogenen Fütterung und angepasster Haltung lassen sich viele Probleme vermeiden oder deutlich lindern. Jedes Pferd ist individuell, daher lohnt sich das Beobachten, Ausprobieren und Anpassen. So können Stiche, Juckreiz und Stress reduziert werden und der Sommer wird wieder zur genussvollen Zeit für Reiter und Pferd.

Horse

You might also be interested in