Würmer und andere Parasiten beim Pferd

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Würmer und andere Parasiten des Verdauungstraktes sind ein Thema, mit dem sich jeder Pferdebesitzer früher oder später auseinandersetzen muss. Vor allem in der Weidehaltung sind sie praktisch unvermeidbar. Ein gewisser Befall mit Würmern ist normal und stellt für gesunde Tiere meist kein großes Problem dar. Doch wenn sich bestimmte Wurmarten stark vermehren, kann das Folgen für die Gesundheit haben. Besonders Fohlen und Jungpferde sind gefährdet, da ihr Abwehrsystem noch nicht stark genug ist. Doch auch erwachsene Pferde tragen in aller Regel eine gewisse Grundlast an Würmern in sich, die bei geschwächtem Immunsystem durchaus zu schwerwiegenden Erkrankungen führen können. Um potenzielle Gefahren besser einschätzen zu können, ist es wichtig, die häufigsten Arten, ihre typischen Krankheitsbilder und Möglichkeiten der Vorbeugung zu kennen.

Strongyliden: Die häufigsten Darmparasiten beim Pferd

Die zu den Fadenwürmern gehörenden Strongyliden betreffen Pferde aller Altersgruppen, sie gehören zu den wichtigsten Darmparasiten beim Pferd. Strongyliden durchlaufen komplexe Entwicklungsstadien. Mit dem Kot befallener Pferde werden Eier ausgeschieden, aus denen sich Larven entwickeln. Die infektiösen Larven können monatelang auf Boden und Vegetation überleben und stellen einen Infektionsdruck für weidende Pferde dar. Nach der Aufnahme durch ein Pferd wandern die Larven in die Darmschleimhaut und entwickeln sich dort weiter. Im Darm können die Larven im eingekapselten Zustand über viele Jahre verweilen, weil sie vom Immunsystem nicht erkannt werden. Strongyliden lassen sich in kleine und große Arten unterteilen, die sich in ihrer krankmachenden Wirkung (Pathogenität) und ihren Krankheitsbildern erheblich unterscheiden.

Kleine Strongyliden (Palisadenwürmer)

Nahezu jedes weidende Pferd trägt kleine Strongyliden in sich. Die adulten Würmer werden im Darm bis zu 2,5 cm lang und verursachen meist keine relevanten Schäden. Problematisch wird es bei der Larvalen Cyathostominose, die in seltenen Fällen vor allem bei Jungpferden bis zum Alter von etwa sechs Jahren auftreten kann. Sie entsteht, wenn große Mengen eingekapselter Larven gleichzeitig aus der Schleimhaut ins Darmlumen auswandern. Die Folge sind massive Schleimhautschäden, die zu Durchfall, rapider Abmagerung, Ödemen im Bauchbereich und an den Gliedmaßen sowie im schlimmsten Fall zum Tod führen können. Die kleinen Strongyliden unterliegen einer saisonalen Dynamik. Dies bedeutet für den Pferdebesitzer, dass der Infektionsdruck nicht das ganze Jahr über gleich ist, sondern im Jahresverlauf deutlich schwankt. Besonders kritisch sind Frühjahr und Herbst, weil hier die höchsten Belastungen durch Neuinfektionen oder Massenauswanderungen von Larven auftreten. Kotprobenuntersuchungen sollten daher gezielt in diesen Phasen eingeplant werden.

Große Strongyliden

Die heute selten gewordenen großen Strongyliden sind mit bis zu 4,5 cm etwas länger und machen zusätzlich zum bekannten Entwicklungszyklus eine ausgedehnte Körperwanderung durch. Beim häufigsten Vertreter Strongylus vulgaris gelangen die Larven dabei über die Darmwand in die Blutgefäße und wandern bis in die Arterien, die den Darm versorgen. Dort verursachen sie Entzündungen und Blutgerinnsel, die die Durchblutung des Darmes blockieren. Die Folgen können ein Infarkt des Darmgewebes, Blutarmut, Durchfall, Verstopfung und massive Koliken sein, die nicht selten tödlich enden. Bei einem Befall mit Strongylus edentatus findet die Körperwanderung vor allem in der Leber und im Bauchfell statt. Typische Anzeichen eines starken Befalls sind Fieber, Appetitlosigkeit, Leberschäden, Gelbfärbung der Schleimhäute und Bauchfellentzündung. Im Gegensatz zu den kleinen Strongyliden werden große Strongyliden in umfangreichen Untersuchungen von Pferdebeständen nur sehr selten im Kot von Tieren nachgewiesen. Ein Befall sollte überwacht und bei hoher Parasitenlast auch behandelt werden.

Spulwürmer

Erkrankungen durch Spulwürmer (vor allem Parascaris equorum) betreffen in erster Linie Fohlen und Jungpferde, erwachsene Tiere sind meist durch ihre natürliche Abwehr geschützt. Spulwürmer sind mit bis zu 50 cm nicht nur beeindruckend lang, sondern auch äußerst produktiv. Ein einziges Weibchen kann bis zu 100 000 Eier pro Tag ausscheiden. Diese Eier sind äußerst widerstandsfähig und können über Jahre in der Umwelt infektiös bleiben. Nach der Aufnahme von Spulwurmlarven über Futter oder Wasser wandern diese zunächst durch Leber und Lunge, bevor sie sich im Dünndarm zu ausgewachsenen Würmern entwickeln. Bei starkem Befall kommt es zu Symptomen wie Leberschwellung, Husten, Atemnot, Gewichtsverlust, struppigem Fell, Trommelbauch, Koliken und im schlimmsten Fall zu einer Darmruptur. Besonders Fohlen sind gefährdet und sollten entsprechend beobachtet werden.

Bandwürmer

Bandwürmer spielen beim Pferd eine untergeordnete Rolle und der Befall verläuft meist vom Tierbesitzer unbemerkt. Die bei Pferden häufigste Art ist Anoplocephala perfoliata. Die erwachsenen Würmer sind flach und breit, sie werden bis zu 8 cm lang. Die Bandwurmeier werden vom Pferd über Moosmilben aufgenommen, die sich vor allem auf feuchten Weiden befinden und als Zwischenwirt fungieren. Die Larven der Bandwürmer werden im Darm des Pferdes freigesetzt und siedeln sich am Übergang zwischen Dünn- und Dickdarm an, wo sie sich innerhalb weniger Wochen zu adulten Würmern entwickeln. Einige Bandwurmarten können bei starkem Befall Darmentzündungen und Koliken begünstigen, meist verläuft die Infektion jedoch symptomlos.

Pfriemenschwänze

Die zu den Fadenwürmern gehörenden Pfriemenschwänze sind eher lästig als gefährlich. Die erwachsenen Würmer leben im Dickdarm des Pferdes. Sie sind weißlich, dünn und bis zu 10 cm lang, können also mit bloßem Auge im Kot sichtbar sein. Auffällig wird der Befall, wenn die weiblichen Würmer ihre Eier in den Nachtstunden ablegen. Sie kriechen dazu aus dem Darm heraus und kleben die Eier mit einer klebrigen Flüssigkeit an die Haut rund um den After. Dieser Vorgang verursacht starken Juckreiz. Die Pferde scheuern daraufhin ihren Schweifansatz, sodass es zu Haarbruch, Scheuerstellen und Kahlheit kommen kann. Viele Pferdebesitzer vermuten dann zunächst Hautprobleme oder Sommerekzem, dabei sind Pfriemenschwänze die Ursache. Gesundheitlich ist ein Befall mit Pfriemenschwänzen für das Pferd meist nicht gefährlich. Selten können sie zu Reizungen der Darmschleimhaut oder zu leichten Verdauungsproblemen führen, ein starker Befall kann außerdem Abmagerung begünstigen. In erster Linie ist jedoch der Juckreiz belastend, da er oft für Unruhe und Hautentzündungen sorgt.

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Dasselfliegen

Bei den Dasselfliegen handelt es sich nicht um Würmer, sondern um Insekten. Sie sollen hier trotzdem genannt werden, da ihre Larven parasitär im Magen des Pferdes leben und ein wurmartiges Aussehen haben. Umgangssprachlich werden sie von Pferdebesitzern daher oft als „Dasselwürmer“ oder „Magendasseln“ bezeichnet. Die erwachsenen Dasselfliegen sind in den Sommermonaten aktiv, sie schwirren dann vermehrt auf Weiden, Reitplätzen oder in Stallnähe umher. Besonders auffällig ist das Verhalten der weiblichen Fliegen. Sie fliegen hektisch um die Vorderbeine, den Brustbereich oder den Kopf des Pferdes und heften dort ihre gelblichen, länglichen Eier an die Haare. Das Pferd nimmt die Eier beim Belecken oder Beknabbern auf. Im Magen heften sich die Larven mit ihren Mundhaken an die Schleimhaut und verbringen dort mehrere Monate. Bei geringem Befall bleibt dies oft folgenlos. Bei einem starken Befall kann es jedoch zu Schleimhautreizungen, Entzündungen, Magenschmerzen oder in seltenen Fällen auch zu Magengeschwüren kommen. Betroffene Pferde wirken unruhig, magern ab, zeigen stumpfes Fell oder reagieren empfindlich beim Gurten und Reiten. Im Frühjahr werden die Larven mit dem Kot ausgeschieden, verpuppen sich im Boden und entwickeln sich zu neuen Fliegen. Obwohl ein Befall meist keine schwerwiegenden Folgen für das Pferd hat, sollten die gelben Eier an den Vorderbeinen regelmäßig mit einer Bürste oder einem Schaber mechanisch entfernt werden, um die Parasitenlast zu verringern.

Wie funktioniert moderne Parasitenkontrolle?

Früher war es üblich, alle Pferde in festen Abständen zu entwurmen, egal ob sie befallen waren oder nicht. Diese sogenannte „strategische Entwurmung“ hat den Nachteil, dass wechselnde Wirkstoffstoffe ungezielt und oft unnötig eingesetzt werden. Diese Methode belastet nicht nur den Pferdeorganismus erheblich, sondern sie fördert zudem auch Resistenzen. Die Resistenzentwicklung einiger parasitär lebender Würmer stellt ein zunehmendes Problem insbesondere bei kleinen Strongyliden und Spulwürmern dar, da seit 2010 keine neuen Wirkstoffe entwickelt wurden. Umso wichtiger ist der verantwortungsvolle Einsatz vorhandener Präparate.

Nach heutigem Kenntnisstand empfiehlt sich maximal die „selektive Entwurmung“. Dabei entscheidet nicht mehr der Kalender, sondern das Ergebnis einer Kotprobenuntersuchung. Nur wenn ein Pferd spezifische Krankheitssymptome zeigt und gleichzeitig eine hohe Zahl an Eiern ausscheidet, wird es behandelt. Das klingt zunächst aufwendiger, spart aber langfristig Medikamente und schützt die Wirksamkeit der Präparate.

Natürliche Wurmprophylaxe: So schützt du dein Pferd

Das Ziel der natürlichen Parasitenprophylaxe ist nicht die vollständige Eliminierung aller Würmer. Vielmehr geht es darum, die Belastung mit Würmern auf ein Maß zu reduzieren, das klinisch relevante Erkrankungen des Pferdes verhindert.

Hierfür eignen sich einfache Maßnahmen wie ein gutes Weidemanagement und eine kräuterreiche Ernährung. Das regelmäßige Entfernen der Pferdeäpfel reduziert den Infektionsdruck auf Weideflächen bereits erheblich. Eine nicht zu hohe Besatzdichte ist ebenfalls wichtig, denn je mehr Pferde auf einer Fläche stehen, desto höher ist die Belastung. Auch die Rotation der Weiden oder eine Mischbeweidung mit Rindern oder Schafen kann helfen, da Würmer beim Pferd in der Regel artspezifisch sind und so ihr Lebenszyklus unterbrochen wird.

Unsere Erfahrung zeigt, dass eine Ernährung, die reich an Wurzeln, Rinden und darmpflegenden Kräutern ist, die wirksamste Form der natürlichen Parasitenkontrolle darstellt. Hagebuttenkerne sind kantig und haarig, mit ihrer Struktur reinigen sie den Darm und haben eine wurmaustreibende Wirkung. Kokosraspel enthalten Laurin- und Myristinsäure, deren Abbauprodukte die Zellwände der Darmparasiten angreifen, ohne die Darmschleimhaut zu schädigen. Wilder Wermut wird aufgrund der volkstümlichen Nutzung als Wurmmittel auch Wurmkraut genannt. Die enthaltenen Bitterstoffe und ätherischen Öle stimulieren die Sekretion der Verdauungssäfte, insbesondere den Gallenfluss. Die Gerbstoffe der Walnussblätter regenerieren die durch Würmer geschädigte und eventuell perforierte Darmschleimhaut. Die Strahlenlose Kamille ist ein besonders sanftes Mittel zur Darmpflege und wirkt bei einer Reihe von Darmparasiten regulativ. Meerrettich gehört mit seinen Scharfstoffen und Senföle zu den traditionell genutzten wurmaustreibenden Kräutern. Salbei wirkt entzündungshemmend auf die Darmschleimhaut. Mischungen aus den genannten Kräutern schaffen ein ausgeglichenes Darmmikrobiom, ein starkes Immunsystem und ein Darmmilieu, in dem Würmer sich nur schwer etablieren können.

Wuermer Pferd Summary

Fazit

Parasiten des Verdauungstraktes begleiten Pferde ihr Leben lang, insbesondere in der Weidehaltung. Ein gewisser Wurmbefall ist dabei normal und nicht zwangsläufig krankmachend. Potenzielle Gefahr besteht erst, wenn bestimmte Wurmarten wie große Strongyliden oder Spulwürmer in hoher Zahl auftreten oder wenn Jungpferde und geschwächte Tiere betroffen sind. Moderne Parasitenkontrolle bedeutet deshalb, den Befall nicht wahllos zu bekämpfen, sondern gezielt und verantwortungsvoll vorzugehen. Die regelmäßige Kotuntersuchung sollte hierbei mit gutem Weidemanagement und einer kräuterreichen Fütterung kombiniert werden. Diese Maßnahmen sorgen dafür, dass die Parasitenlast meist auf einem gesundheitlich unproblematischen Maß bleibt.