Lausfliegen beim Hund – klein, schnell und äußerst hartnäckig

08/K

Lausfliegen gehören im Vergleich mit Zecken oder Flöhen zu den weniger bekannten äußeren Parasiten. Dabei können einige Arten auch Hunde befallen, vor allem bei Spaziergängen in Waldgebieten oder während eines Aufenthalts in südlichen Ländern. Die flachen, widerstandsfähigen Insekten bewegen sich äußerst schnell durch das Fell und ernähren sich vom Blut ihrer Wirte. Ihre Stiche können nicht nur Hautreizungen, sondern auch starken Juckreiz und entzündliche Reaktionen hervorrufen. Doch was genau sind Lausfliegen eigentlich? Läuse, Fliegen oder eine ungewöhnliche Mischung aus beidem?

Lausfliegen Hund Titelbilder

Lausfliegen auf den ersten Blick erkennen

Der Begriff Lausfliege bezeichnet nicht eine einzelne Art, sondern eine ganze Familie blutsaugender Insekten, die Säugetiere und Vögel befallen. Trotz ihres Namens sind sie keine Läuse, sondern werden den Zweiflüglern und somit den Fliegen zugeordnet. Sie sind etwa 5-7 Millimeter groß, besitzen sechs kräftige Beine und einen abgeflachten Körper. Die Mundwerkzeuge der Lausfliegen sind stärker spezialisiert als bei gewöhnlichen Fliegen. Sie besitzen einen kurzen, kräftigen Stechrüssel und ritzen mit ihren kleinen Zähnchen an der Rüsselspitze die Haut an, um darin die Mundwerkzeuge zu verankern und Blut zu saugen. Die Beine der Lausfliegen sind mit Krallen ausgestattet, die es ihnen ermöglichen, sich tief im Fell des Wirtes festzuhalten. Viele Arten bleiben nach dem Befall eines geeigneten Wirtes dauerhaft oder zumindest über längere Zeit auf ihm.

Durch ihre abgeflachte Form erinnern Lausfliegen auf den ersten Blick an Zecken und werden daher von Tierbesitzern manchmal als „fliegende Zecken“ bezeichnet. Doch anders als Zecken treten Lausfliegen oft in Schwärmen auf und bewegen sich ausgesprochen schnell. Sie laufen seitwärts und können innerhalb kurzer Zeit zwischen den Haaren verschwinden, weshalb manche Hundebesitzer sie zunächst für eine kleine Spinne halten. Auch beim Entfernen erweisen sie sich als erstaunlich widerstandsfähig, ein einfaches Abstreifen oder Zerdrücken gelingt häufig nicht.

Für Hunde sind vor allem die Hirschlausfliege und die Hundelausfliege von Bedeutung. Beide sehen sich zwar ähnlich, unterscheiden sich jedoch hinsichtlich ihrer Verbreitung und ihrer möglichen gesundheitlichen Bedeutung.

Hirschlausfliege oder Hundelausfliege?

In Deutschland werden Hunde in der Regel von Hirschlausfliegen befallen. Ihre eigentlichen Wirte sind wiederkäuende Wildtiere wie Rehe oder Hirsche. Während ihrer Suche nach einem geeigneten Wirt können sie jedoch versehentlich auch auf Menschen, Pferden oder Hunden landen. Besonders häufig sind Hirschlausfliegen vom Spätsommer bis in den Herbst aktiv. In dieser Zeit kann es vor allem in Wäldern und in Gebieten mit hohem Wildbestand zu einem Massenbefall kommen. Da sie nur begrenzt fliegen können, halten sie sich meist in der Nähe geeigneter Wirte auf und landen zunächst bevorzugt auf der hinteren Körperregion. Sie krabbeln dann rasch in das Fell hinein und werfen ihre Flügel ab. Selbst wenn sich der Hund als ungeeigneter Wirt herausstellt, bedeutet das nicht, dass die Lausfliege ihn wieder verlässt. Sie lebt als flügelloses Insekt im Fell des Hundes weiter und saugt auch dessen Blut, kann sich auf ihm jedoch nicht vermehren.

In Südeuropa und Afrika kommt bei Hunden eher die Hundelausfliege vor, die stärker an Hunde und Hundeartige angepasst ist. Sie kann sich auf diesen Wirten auch erfolgreich vermehren. Sie ist aber eher für Hunde aus dem Auslandstierschutz oder Tiere, die regelmäßig in den Mittelmeerraum reisen, von größerer Bedeutung, da diese den Parasiten unbemerkt nach Deutschland mitbringen können.

Lausfliegen Hund Foto

Wie macht sich ein Befall beim Hund bemerkbar?

Oft fällt dem Tierbesitzer zunächst das Verhalten des Hundes auf. Dieser wirkt plötzlich unruhig, dreht sich ruckartig um und versucht, in die hinteren Körperregionen zu beißen. Manche Hunde kratzen sich auffällig oder scheuern sich an Gegenständen. Das schnelle Krabbeln der Lausfliege zwischen den Haaren löst ein unangenehmes Gefühl aus, worauf viele Hunde mit Hektik oder sogar Panik reagieren.

Die schmerzhaften Stiche können kleine gerötete Papeln, Schwellungen oder Krusten verursachen. Besonders empfindliche Hunde entwickeln stärkere Symptome wie lokale Entzündungen oder eine ausgeprägte juckende Dermatitis. Durch Kratzen und Benagen können Hautverletzungen entstehen, in die Bakterien eindringen. Daraus können sich nässende Stellen und sekundäre Hautinfektionen entwickeln. Die Stärke der Reaktion hängt nicht allein von der Zahl der Parasiten ab. Während manche Hunde auf Lausfliegen kaum reagieren, zeigen andere bereits nach wenigen Stichen deutliche Beschwerden. Vermutlich spielen hier auch Bestandteile des Speichels und individuelle Überempfindlichkeitsreaktionen eine Rolle.

Lausfliegen als mögliche Krankheitsüberträger

Die Rolle von Lausfliegen als Krankheitsüberträger wird intensiv untersucht. Erregernachweise und tatsächliche Übertragungen müssen bei der Bewertung jedoch klar voneinander getrennt werden. So wurden in Hirschlausfliegen zwar unter anderem Bartonellen, Anaplasmen, Borrelien und Rickettsien gefunden. Ob diese Erreger jedoch beim Stich auf Hunde übertragen werden können, ist bisher nicht geklärt. Besonders häufig wird in Hirschlausfliegen das Bakterium Bartonella schoenbuchensis gefunden. Es kommt vor allem bei Wildwiederkäuern vor und wurde auch im Verdauungstrakt der Lausfliegen nachgewiesen. Infizierte Weibchen können das Bakterium auch an ihre Nachkommen weitergeben. Die Hirschlausfliege wird daher als möglicher Überträger von Bartonella schoenbuchensis diskutiert. Zwar lösen einige Bartonella-Arten beim Hund Erkrankungen aus, welche gesundheitlichen Folgen dieser Erreger für den Hund haben könnte, ist bisher jedoch nicht bekannt.

Die Hundelausfliege gilt als Zwischenwirt der Wurmart Acanthocheilonema dracunculoides, der beim Hund eine Fadenwurmerkrankung auslöst. Die bei einem infizierten Hund aufgenommenen Mikrofilarien entwickeln sich im Körper der Lausfliege zu infektiösen Larven weiter und können bei einer späteren Blutmahlzeit auf den nächsten Hund übertragen werden. Darüber hinaus können Hundelausfliegen sogenannte Pelzmilben an ihren Beinen transportieren und diese auf Hunde übertragen.

Lausfliegen schnell und sicher entfernen

Wer nach einem Waldspaziergang ein schnell krabbelndes, flaches Insekt im Fell entdeckt, sollte seinen Hund gründlich absuchen und die Parasiten sofort mechanisch entfernen. Ein feinzinkiger Flohkamm kann dabei helfen, diese aus dem Fell zu lösen. Aufgrund der kräftigen Beine und Krallen muss sehr sorgfältig gearbeitet werden. Eine Pinzette oder Zeckenzange und ein Klebeband können ebenfalls nützlich sein, um die Lausfliege festzuhalten. Besondere Aufmerksamkeit gilt dabei dünn behaarten, warmen und geschützten Körperstellen wie Bauch, Achseln, Ohren und die Innenseiten der Oberschenkel. Helle Tücher oder Unterlagen erleichtern es, herabfallende Parasiten zu erkennen. Das Insekt lässt sich in einem verschlossenen Gefäß aufbewahren, falls die Bestimmung in einem Labor gewünscht ist. Eine Behandlung mit Insektiziden ist in der Regel nicht notwendig. Zur Pflege gereizter oder geröteter Haut eignen sich natürliche Pflegeprodukte mit Calendula, Silber oder Aloe Vera.

Lausfliegen Hund Zusammenfassung

So lässt sich das Befallsrisiko verringern

In der Hauptaktivitätszeit der Hirschlausfliege kann es sinnvoll sein, wildreiche Waldabschnitte zu meiden und den Hund auf den Wegen zu halten. Natürliche Präparate gegen Zecken und Flöhe enthalten meist Neemöl, Teebaumöl oder Geraniol und können auch vorbeugend gegen Lausfliegen eingesetzt werden. Ein vollständiger Schutz vor Lausfliegen ist jedoch kaum möglich und die wichtigste Maßnahme bleibt die mechanische Entfernung. Nach Aufenthalten in waldreichen Gebieten sollte das Fell daher immer sorgfältig kontrolliert und ausgekämmt werden. Wer seinen Hund gut beobachtet und die ungewöhnlichen Insekten erkennt und entfernt, kann stärkere Beschwerden bei seinem Tier in der Regel vermeiden.

Quellen

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