Fette in der Hundeernährung. Von Hunden geliebt – von Menschen gefürchtet

02/J

Titelbild Fette

Mit der Fütterung werden dem Körper des Hundes Kohlenhydrate, Fette und Eiweiße als Energielieferanten zugeführt. Fette haben hierbei mit Abstand den schlechtesten Ruf – ist ihr Konsum in der Annahme vieler Hundebesitzer doch vor allem mit Übergewicht verbunden. Bei der Anreicherung der Mahlzeit mit Fetten oder Ölen stehen daher oft eher optische Vorteile wie glänzendes Fell im Vordergrund. Der Hund selbst hingegen bevorzugt meist fettreiches Futter. Dass ausreichend Fett in der Nahrung nicht nur eine Frage der Schönheit ist, wird besonders in der kalten Jahreszeit ersichtlich, wenn es bei vielen Hunden zur Gewichtsabnahme und zu Heißhungerattacken kommt. Doch welche Fette eignen sich für den Hund und was gilt es bei der Zubereitung eigener Rationen zu beachten?

Klassifizierung der Nahrungsfette

Fette kommen in der Nahrung vor allem als Triglyceride vor. Diese bestehen aus dem dreiwertigen Zuckeralkohol Glycerin und 3 veresterten Fettsäuren. Die Fettsäuren bestimmen die Eigenschaften des Fettes und seine Funktion im Organismus. Bei den Fettsäuren handelt es sich um lange Ketten aus Kohlenstoffatomen (C). Je länger die Kohlenstoffkette ist, umso höher liegen Schmelz- und Siedepunkt des Fettes. Fettsäuren bis C6 werden als kurzkettige oder flüchtige Fettsäuren bezeichnet, sie führen beim Hund oft zu Verdauungsstörungen. Zwischen C8 und C12 handelt es sich um mittelkettige Fettsäuren. Diese werden im Körper relativ zügig aufgenommen und benötigen keine Gallensäure oder Lipase zur Verdauung. Sie dienen durch ihre hohe Verdaulichkeit als schnelle Energiequelle vor allem für die Versorgung des Gehirns und bei akuter körperlicher Belastung. Da sie umgehend zu Energie verwandelt werden, erfolgt keine Speicherung als Körperfett, was bei übergewichtigen Hunden von Vorteil sein kann. Bei mehr als 12 Kohlenstoffatomen spricht man von langkettigen Fettsäuren. Diese werden im Körper eher langsam verdaut und dienen vorrangig der langfristigen Energiespeicherung in den Fettzellen.

Eine weitere Einteilung der Fettsäuren erfolgt hinsichtlich der Bindungen zwischen den Kohlenstoffatomen. Gesättigte Fettsäuren besitzen keine Doppelbindungen und jedes C-Atom ist mit der maximal möglichen Anzahl an Wasserstoffatomen verbunden. Gesättigte Fettsäuren kommen häufig in tierischen Produkten, aber auch in Kokosfett und Palmöl vor. Sie nehmen bei Zimmertemperatur einen festen Aggregatzustand ein. Einfach ungesättigte Fettsäuren besitzen eine Doppelbindung und mehrfach ungesättigte Fettsäuren besitzen mehrere Doppelbindungen. Fette mit einem hohen Anteil mehrfach ungesättigter Fettsäuren sind in der Regel flüssige Öle. Sie werden schnell ranzig und müssen mit Antioxidantien stabilisiert werden. Einige der mehrfach ungesättigten Fettsäuren können vom Körper nicht selbst hergestellt werden. Sie werden daher als essenziell bezeichnet und müssen täglich über die Nahrung zugeführt werden. Hierzu gehört die Omega-6-Fettsäure Linolsäure und die Omega-3-Fettsäure alpha-Linolensäure. Wichtig ist neben der Menge jedoch auch das Omega-6- zu Omega-3-Verhältnis, es sollte höchstens 5:1 betragen. Dieses optimale Verhältnis findet sich in wilden Beutetieren. Bei Zuchttieren wie Rindern und Schweinen liegt das Verhältnis aufgrund ihrer Ernährung oft nur noch bei 20:1, was langfristig zu einem Ungleichgewicht zugunsten der Omega-6-Fettsäuren führen kann, wenn der tierische Bestandteil in der Ration ausschließlich von diesen Tierarten stammt.

Hund mit Butter Blick nach links

Biologische Funktion von Fetten im Organismus des Hundes

Eine der Hauptfunktion von Fetten ist die Energielieferung. Hunde nutzen hier vorrangig gesättigte Fettsäuren und lagern diese bei einem Überangebot als Unterhautfett oder Organfett ein. Das Unterhautfettgewebe dient neben seiner Funktion als Energiespeicher auch der Wärmeisolation, es enthält vor allem Triglyceride als Speicherform der Fette. Für die Energiegewinnung aus Fettgewebe werden die Triglyceride unter Sauerstoffverbrauch in Kohlendioxid und Wasser umgewandelt. Dies ist einer der Gründe, warum übergewichtigen Hunden bei intensiver Bewegung schnell die Luft ausgeht. Beim Abbau von Nahrungs- oder Körperfett wird mehr Energie frei, als dies bei Kohlenhydraten oder Eiweißen der Fall ist. So liefert 1 g Fett 9 kcal, während Eiweiße und Kohlenhydrate nur jeweils etwa 4 kcal pro g an Energie liefern.

In Form von Phospholipiden sind Fette ein wichtiger Bestandteil der Zellmembran. Sie bestimmen die Durchlässigkeit der Membran und somit den Stofftransport zwischen den Zellen. Fette sind auch Geschmacksträger, sie sorgen für das Sättigungsgefühl und auf diese Weise auch für die Zufriedenheit des Hundes nach der Fütterung. Fettreiche Mahlzeiten verdauen langsamer und halten daher länger satt. Das Gehirn ist das Organ mit dem höchsten Fettanteil, es besteht zu etwa 60 % aus Fett. Damit wird klar, dass Fette auch für viele neurologische Prozesse unabdingbar sind. Fette dienen weiterhin dem Transport und der Speicherung der fettlöslichen Vitamine A, D, E und K. Diese werden vor allem in den Fettzellen der Leber und im Speicherfett gelagert, wo sie bei Bedarf mobilisiert werden können. Das sogenannte Viszeralfett, welches sich um die Organe herum befindet, dient diesen als Schutz vor Druck, Kälte und mechanischen Verletzungen. Besonders wichtig ist diese Schutzfunktion beispielsweise für die empfindlichen Nieren.

Praktische Konsequenzen für die Hundefütterung

Grundsätzlich existieren für die Gesamtfettaufnahme des Hundes mit der Nahrung keine Bedarfswerte, wie es zum Beispiel bei der Eiweißaufnahme der Fall ist. Allerdings ist der Körper des Hundes darauf ausgerichtet, Fette als Hauptenergielieferanten zu nutzen und es müssen zudem ausreichend essenzielle Fettsäuren zur Verfügung gestellt werden. Aus der theoretischen Betrachtung ergeben sich daher für die Praxis der Hundefütterung einige notwendige Konsequenzen. So muss zum einen die Fettzufuhr ausreichend sein, damit der Energiebedarf des Hundes gedeckt ist. Im Idealfall besitzt der Fleischanteil der Mahlzeit bei selbst zubereiteten Rationen bereits einen hohen Fettgehalt, so dass der Gesamtfettanteil der Ration zwischen 15 und 25 % liegt. Wird vorrangig fettarmes Fleisch zum Beispiel von Pferd und Geflügel gefüttert, müssen tierische Fette wie Rindertalg, Schweineschmalz, Gänseschmalz, Hühnerfett oder Ziegenfett zugefüttert werden, damit die Ration ausreichend Energie enthält. Diese tierischen Fette entsprechen der naturnahen Fütterung und enthalten vorrangig gesättigte Fettsäuren. Butterfett enthält viel Buttersäure, die zu den kurzkettigen Fettsäuren gehört. Sie ist in größeren Mengen oft unverträglich und kann beim Hund zu Durchfall und Erbrechen führen.

Für die Zufuhr der essenziellen Fettsäuren eignen sich am besten Pflanzenöle. Als reich an Linolsäure und alpha-Linolensäure gelten Rapsöl, Leinöl, Hanföl und Nachtkerzenöl, diese sollten täglich gefüttert werden.  Für die Gesundheit förderlich ist zudem die Ergänzung mit den Omega-3-Fettsäuren Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA). Diese Fettsäuren kann der Hund in kleinen Mengen selbst herstellen, jedoch genügt die Menge nicht zur Bedarfsdeckung. EPA und DHA besitzen entzündungshemmende Eigenschaften und gleichen den Omega-6-Überschuss von Fleisch aus Masttierhaltung aus. Fischöl oder Algenöl sind reich an EPA und DHA und dürfen täglich auf dem Speiseplan des Hundes stehen.

Summary   große Datei

Warum sind Nahrungsfette im Winter besonders wichtig?

Die normale Körpertemperatur eines gesunden Hundes liegt zwischen 38 und 39 Grad Celsius. Im Winter ist somit die Differenz zwischen Körper- und Außentemperatur deutlich größer und der Hund muss mehr Wärme erzeugen, um die Körpertemperatur aufrecht zu erhalten. Die Wärmeproduktion ist für den Körper anspruchsvoll und energieaufwändig. Diese Kalorien müssen im Winter unbedingt zusätzlich zugeführt werden, um unerwünschte Gewichtsabnahme und Heißhunger zu vermeiden. Kleine Hunde sind besonders betroffen, da die Temperatur direkt über dem Boden oft noch niedriger ist. Auch untergewichtige Hunde haben es in der kalten Jahreszeit deutlich schwerer. Sie sind wenig isoliert gegen Kälte und frieren daher im Winter schnell. Durch Zittern versucht der Körper mittels Muskelarbeit zügig Wärme zu produzieren, auch hier entstehen teils gravierende Energieverluste. Der Kalorienbedarf kann so in den Wintermonaten je nach Hunderasse und Länge der Spaziergänge bis zum Doppelten des normalen Bedarfs betragen. Auch diese Energie sollte größtenteils über Nahrungsfette zugeführt werden und nicht über Kohlenhydrate. Es ist übrigens keine gute Idee, dem Hund im Winter einfach mehr zu Futter geben, da es dann auch zwangsläufig zu einer Erhöhung der Eiweiß-, Vitamin- und Mineralstoffmenge in der Fütterung kommt. Dies führt auf Dauer zu einem Ungleichgewicht und kann verschiedene Erkrankungen nach sich ziehen.

Kein Plädoyer für Übergewicht

Fette sind für den Hund lebenswichtig, jedoch sollte Übergewicht unbedingt vermieden werden. Allerdings sollten als Kalorienfalle auch die Kohlenhydrate bedacht werden, die sich oft in Hundeleckerlies verstecken. Denn auch Kohlenhydrate können zu Körperfett umgewandelt und auf diesem Wege gespeichert werden. Bei Reduktionsdiäten ist darauf zu achten, dass die essenziellen Fettsäuren auf jeden Fall täglich zugeführt werden müssen, damit keine gesundheitlichen Probleme entstehen.

Wichtig: Die Fettmenge in der Ration sollte über mehrere Tage langsam erhöht werden, da es ansonsten zu Magen-Darm-Störungen oder zu einer Bauchspeicheldrüsenentzündung kommen kann. Bei Problemen mit Leber oder Bauchspeicheldrüse und bei Übergewicht kann eine fettarme Ernährung notwendig sein. Hier sollte man sich beraten lassen, damit dem Hund trotzdem ausreichend Energie zugeführt wird.

Chien

Cela pourrait aussi vous intéresser