Wenn der Toilettengang zur Qual wird: Harnsteine bei der Katze

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Harnsteine sind eine häufige Erkrankung bei Katzen und stellen für viele Tiere eine erhebliche Belastung dar. In der Fachsprache wird die Erkrankung Urolithiasis genannt. Besonders problematisch wird es dann, wenn die Steine den Harnabfluss behindern oder vollständig blockieren. In solchen Fällen können sich Harnsteine rasch zu einem lebensbedrohlichen Notfall entwickeln. Für Katzenhalter ist es daher sehr wichtig, die Hintergründe dieser Erkrankung zu verstehen, Warnsignale frühzeitig zu erkennen und rechtzeitig zu handeln.

Harnstein Katzen Summary

Wie Harnsteine entstehen

Die Entstehung von Harnsteinen ist ein komplexer Prozess, der von mehreren Faktoren beeinflusst wird. Im Urin der Katze befinden natürlicherweise neben Wasser auch verschiedene Mineralstoffe wie Magnesium, Phosphor und Calcium und Abbauprodukte des Stoffwechsels wie Oxalat Eine zentrale Rolle spielt dabei das Verhältnis dieser Substanzen zueinander. Wenn der Urin mit einem bestimmten Mineralstoff oder Stoffwechselprodukt übersättigt ist, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass sich Kristalle bilden. Im Laborbefund ist dann meist das spezifische Gewicht des Harns erhöht, der Urin ist stark konzentriert. Verläuft der Prozess unbehandelt, entstehen zunächst sandförmige Ablagerungen, die Harngrieß genannt werden. Bleibt dies weiterhin vom Tierbesitzer unbemerkt, entwickeln sich daraus im Harntrakt sehr feste Gebilde, die Harnsteine genannt werden.

Die wichtigsten Risikofaktoren

Die Entstehung von Harnsteinen ist kein Zufall. Es gibt eine Reihe von Kriterien, die das Risiko deutlich erhöhen. Ein ganz wichtiger Faktor ist die Wasseraufnahme. Katzen stammen ursprünglich aus trockenen Regionen und haben sich daran angepasst, ihren Flüssigkeitsbedarf vor allem über die Nahrung zu decken. Viele Katzen trinken daher von Natur aus eher wenig. Eine geringe Wasseraufnahme erhöht jedoch die Steinbildung unabhängig von der Steinart, da bei geringem Harnvolumen der Anteil der festen Bestandteile im Urin größer und dieser schneller übersättigt ist. Wird dann noch überwiegend Trockenfutter gefüttert, entsteht ein hochkonzentrierter Urin, der schnell zum Nährboden für die Steinbildung wird.

Ebenso entscheidend ist der pH-Wert des Urins. Je nachdem, ob dieser eher sauer oder alkalisch ist, werden unterschiedliche Steinarten begünstigt. Ein alkalisches Milieu fördert beispielsweise die Bildung von Struvitsteinen, während ein saures Milieu im Urin die Entstehung von Calciumoxalatsteinen begünstigt.

Darüber hinaus tragen Übergewicht und Bewegungsmangel zur Entstehung von Harnsteinen bei. Wenig Bewegung bedeutet oft auch eine trägere Blasenentleerung, wodurch sich Kristalle leichter ablagern können.

Interessanterweise gibt es auch rassespezifische Unterschiede. Einige Katzenrassen scheinen genetisch anfälliger für bestimmte Steinarten zu sein. Das bedeutet zwar nicht, dass jede Katze dieser Rassen zwangsläufig erkrankt, doch das Risiko ist erhöht. So neigen zum Beispiel Perserkatzen, Ragdoll, Scottish Fold und British Kurzhaarkatzen zu Calciumoxalatsteinen. Von Struvitsteinen sind eher Norwegische und Sibirische Waldkatzen, British Langhaar und Europäische Kurzhaarkatzen betroffen. Bei Siamkatzen ist eine Neigung zu Cystinsteinen beschrieben.

Ein weiterer Einflussfaktor ist die Kastration. Studien deuten darauf hin, dass kastrierte Tiere beider Geschlechter ein höheres Risiko zumindest für die Bildung von Calciumoxalatsteinen tragen. Die genauen Zusammenhänge sind noch nicht vollständig geklärt, doch vermutlich spielen hormonelle Veränderungen und ein veränderter Stoffwechsel eine Rolle.

Auch andere Grunderkrankungen können bei Katzen die Entstehung von Harnsteinen erheblich begünstigen, da sie die Zusammensetzung des Urins verändern. Eine zentrale Rolle spielt dabei vor allem der Calciumstoffwechsel. Erkrankungen wie die Hyperkalzämie, oft ausgelöst durch eine Überfunktion der Nebenschilddrüse, führen dazu, dass vermehrt Calcium über den Urin ausgeschieden wird, was die Bildung von Calciumoxalatsteinen fördert. Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes mellitus wirken eher indirekt, indem sie das Harnmilieu verändern und Entzündungen begünstigen, die wiederum die Steinbildung fördern können. Auch chronische Nierenerkrankungen können das Gleichgewicht von Mineralstoffen sowie den pH-Wert des Urins beeinflussen und so das Risiko erhöhen. Insgesamt zeigt sich, dass Harnsteine oft nicht isoliert entstehen, sondern Ausdruck tieferliegender Stoffwechselveränderungen sind, die bei wiederholtem Auftreten unbedingt abgeklärt werden sollten.

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Die wichtigsten Steinarten im Überblick

Nicht jeder Harnstein ist gleich. Tatsächlich gibt es unterschiedliche Arten, die sich in ihrer Zusammensetzung, Entstehung und Behandlung unterscheiden.

Calciumoxalatsteine treten häufiger bei älteren Katzen auf. Sie entstehen bevorzugt in einem eher sauren Urin und bei erhöhten Calcium- und Oxalatwerten. Die Steine sind gelb bis braun gefärbt und besitzen eine raue, kristalline Oberfläche, deren scharfe Kanten beim Abgang der Steine erhebliche Schmerzen verursachen können. Calciumoxalatsteine lassen sich auch durch Ernährungsumstellung nicht auflösen, sie müssen bei entsprechenden Beschwerden meist chirurgisch entfernt werden.

Struvitsteine hingegen kommen oft eher bei jüngeren Katzen vor. Sie bilden sich vor allem in alkalischem Urin und bei erhöhten Magnesium- und Phosphorwerten. Im Vergleich zu Calciumoxalatsteinen sind sie heller, weicher und haben eine glattere Oberfläche. Struvitsteine können sich unter bestimmten Bedingungen wieder auflösen. Durch eine gezielte Futterumstellung wird der Urin leicht angesäuert und die Mineralstoffkonzentration reduziert, sodass sich die Steine nach und nach auflösen können. Anders als beim Hund, wo häufig Harnwegsinfektionen eine Ursache für die Struvitsteinbildung sind, handelt es sich bei der Katze in der Regel um eine sterile Steinbildung, bei der bakterielle Infektionen keine Rolle spielen.

In den letzten Jahrzehnten hat sich die Verteilung der Steinarten verändert. Während früher Struvitsteine häufiger waren, werden heute vermehrt Calciumoxalatsteine diagnostiziert. Eine mögliche Erklärung liegt in der Umstellung der Rezepturen industriell gefertigter Trockenfutter. Denn um Struvitsteinen vorzubeugen, wurden viele Futtersorten so verändert, dass sie den Urin ansäuern und den Magnesiumgehalt senken. Diese Entwicklung zeigt, wie wichtig ein ausgewogenes Gleichgewicht ist. Denn eine zu starke Fokussierung auf die Vermeidung einer Steinart kann die Entstehung einer anderen begünstigen.

Weitere Steinarten wie Cystin-, Xanthin- oder Ammoniumuratsteine spielen bei Katzen eine untergeordnete Rolle und sind zumeist mit genetischen Faktoren oder speziellen Stoffwechselstörungen verbunden.

So äußern sich Harnsteine bei Katzen

Die Symptome sind bei allen Steinarten gleich. Der Katzenbesitzer bemerkt häufig ein verändertes Urinabsatzverhalten seines Tieres. Es wirkt unruhig, die Katzentoilette wird oft sehr häufig aufgesucht und der Genitalbereich intensiv beleckt. Oft werden nur sehr kleine Urinmengen abgesetzt, der Urin kann blutig sein und das Tier signalisiert Schmerzen während des Urinabsatzes, was sich durch Lautäußerung oder eine verkrampfte Haltung zeigen kann. Auch plötzliche Unsauberkeit kann auftreten, wobei der Urin manchmal neben der Katzentoilette oder an ungewöhnlichen Orten abgesetzt wird.

Ein lebensbedrohlicher Zustand ist der häufig bei Katern vorkommende Harnröhrenverschluss, bei dem Harngrieß oder Steine die ableitenden Harnwege komplett blockieren. Hier kann das Tier gar keinen Urin mehr absetzen, was sich in vergeblichem Pressen, starken Schmerzen und aufgeblähtem Bauch bemerkbar macht. Dieser Zustand ist ein absoluter Notfall und erfordert sofortige tierärztliche Behandlung. Ohne schnelle Hilfe kann es innerhalb kurzer Zeit zu einer lebensgefährlichen Vergiftung kommen.

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Unterstützung für Stubentiger mit Neigung zur Harnsteinbildung

In vielen Fällen lässt sich das Risiko für Harnsteine deutlich reduzieren. Der wichtigste Ansatzpunkt ist die Flüssigkeitsaufnahme. Katzen sollten möglichst viel trinken, um den Urin zu verdünnen. Dabei kann es helfen, mehrere Wassernäpfe in der Wohnung zu verteilen oder Trinkbrunnen anzubieten, da fließendes Wasser viele Katzen eher zum Trinken animiert. Auch die Ernährung spielt eine große Rolle. Nassfutter ohne zugesetzte künstliche Mineralstoffe ist in der Regel besser geeignet als Trockenfutter, da es einen deutlich höheren Wassergehalt hat und ein Ungleichgewicht der Mineralien im Urin vermeidet. Knochenbrühe liefert nicht nur zusätzliche Flüssigkeit, sondern wird oft auch besonders gut angenommen.

Regelmäßige Bewegung und ein gesundes Körpergewicht tragen ebenfalls dazu bei, das Risiko zu senken. Aktive Katzen entleeren ihre Blase häufiger, wodurch sich weniger Kristalle ablagern können. Ist doch einmal ein Missgeschick passiert, sorgen Geruchsneutralisierer mit speziellen Bakterienstämmen dafür, dass sich Ammoniak und Buttersäure zügig abbauen. So fühlt sich die Katze sich in ihrem Zuhause schnell wieder wohl und behütet.

Auch bestimmte pflanzliche Präparate können hilfreich sein. Kräutermischungen mit Inhaltsstoffen wie Ackerschachtelhalm werden traditionell eingesetzt, um die Harnmenge zu erhöhen und die Harnwege zu spülen. Dabei ist jedoch Vorsicht geboten: Das Sammeln von Schachtelhalm in Eigenregie ist riskant, da Verwechslung mit dem giftigen Sumpfschachtelhalm droht!

Fazit

Harnsteine sind ein häufiges und ernstzunehmendes Problem bei Katzen, das jedoch mit gezielten Maßnahmen meist gut in den Griff zu bekommen ist. Eine ausreichende Flüssigkeitsaufnahme, eine artgerechte Ernährung und das aufmerksame Beobachten des Tieres stellen wichtige Maßnahmen der Vorbeugung dar.

Quellen

  • Patienteninformation: Harnkristalle bei der Katze. Version 2.0, Thieme 2025
  • Breu, Doris; Müller, Elisabeth: Harnsteinbefunde bei Katzen aus Deutschland in den Jahren 2016–2020. Tierärztliche Praxis Ausgabe K: Kleintiere / Heimtiere 2022; 50(02): 102 – 111. DOI: 10.1055/a-1795-8078
  • Vervuert, Ingrid; Starzonek, Janine: Urolithiasis bei Hunden und Katzen – ein diätetischer Leitfaden. kleintier konkret 2024; 27(06): 8 – 14. DOI: 10.1055/a-2411-0286