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Gelenkerkrankungen verstehen: Arthrose und Arthritis beim Hund
Wenn ein Hund nicht mehr gerne aufsteht, beim Spaziergang langsamer wird oder Treppen und Sprünge meidet, denken viele Halter zuerst an das Alter. Häufig stecken jedoch Erkrankungen der Gelenke dahinter. Besonders oft fallen dabei die Begriffe Arthrose und Arthritis. Es handelt sich hierbei um zwei Erkrankungen, die zwar ähnlich klingen, aber nicht dasselbe sind. Um sie richtig einordnen zu können, lohnt sich zunächst ein Blick darauf, wie Gelenke überhaupt aufgebaut sind und funktionieren.
Die Gelenke als komplexes Zusammenspiel verschiedener Komponenten
Gelenke verbinden die starren Knochen miteinander und ermöglichen so erst Bewegung. Sie sind daher essenziell fürs Laufen, Springen, Spielen und selbst für das einfache Aufstehen oder Hinlegen. Beim Hund besonders stark beansprucht werden die großen Gelenke wie Hüfte, Knie, Schulter und Ellenbogen, aber auch die kleineren Gelenke der Pfoten und der Wirbelsäule.
Ein gesundes Gelenk besteht dabei immer aus mehreren Komponenten. Die Knochenenden sind mit Gelenkknorpel überzogen, einer glatten, elastischen Schicht, die Stöße abfedert und Reibung reduziert. Umgeben ist das Gelenk von einer Gelenkkapsel, die innen von der Gelenkschleimhaut ausgekleidet wird. Diese Schleimhaut produziert die Gelenkflüssigkeit (Synovia), die den Knorpel ernährt und als Schmiermittel dient. Bänder, Sehnen und Muskeln sorgen zusätzlich für die Stabilität der Gelenke und für die Bewegungskontrolle. Besonders anfällig für Abnutzung ist der Gelenkknorpel. Er besitzt keine eigene Blutversorgung und wird ausschließlich über die Gelenkflüssigkeit ernährt, welche bei Bewegung produziert, und in der Gelenkkapsel verteilt wird. Ein angemessenes Maß an Bewegung ist daher entscheidend für die Gelenkgesundheit, solange diese in einer physiologischen, nicht überlastenden Dauer und Intensität stattfindet.
Wenn Gelenkstrukturen Schaden nehmen
Gelenkerkrankungen entstehen meist dann, wenn empfindliche Strukturen im Gelenk geschädigt werden. Dies geschieht vor allem aufgrund von Alterungsprozessen, aber auch durch Fehlbelastungen, Verletzungen, genetische Veranlagung, Übergewicht, oder Entzündungen. Je nachdem, welche Komponenten des Gelenkes betroffen sind und wie der Krankheitsprozess abläuft, spricht man von Arthrose oder Arthritis.
Arthrose: Der schleichende Gelenkverschleiß
Die Arthrose ist eine degenerative Gelenkerkrankung, bei der es zu einem fortschreitenden Verschleiß des Gelenkknorpels kommt. Sie ist eine der häufigsten orthopädischen Erkrankungen bei älteren Hunden, kann aber auch bei jungen Tieren auftreten. Eine Arthrose entwickelt sich eher langsam und verschlechtert sich über Monate oder Jahre. Im Verlauf der Arthrose verliert der Knorpel seine Elastizität, er wird rissig und dünn. Dadurch reiben die Knochenenden zunehmend ungeschützt aufeinander, was dem Hund Schmerzen bereitet. Durch die veränderte Druckverteilung wird das Gelenk instabil. Der Körper versucht dies auszugleichen, indem er an den Gelenkrändern die Bildung sogenannter Osteophyten (Knochenspangen, -sporne und -brücken) vorantreibt. Dies führt zwar zunächst zur Stabilisierung des degenerierten Gelenks, jedoch kommt es im weiteren Verlauf oft zu Bewegungseinschränkungen und zur Reizung des umliegenden Gewebes. Hunde sind oft im Bereich der Wirbelsäule von solchen Knochenneubildungen betroffen, wo sie als Spondylophyten bezeichnet werden. Im fortgeschrittenen Stadium der Arthrose kommt es zum Muskelabbau rund um das betroffene Gelenk, was die Instabilität weiter vorantreibt und zu Folgeschäden an Bändern und Sehnen führen kann.
Arthrose entsteht selten ausschließlich altersbedingt, sondern oft aufgrund mehrerer Ursachen. Häufige Auslöser sind Fehlstellungen wie Hüft- oder Ellbogendysplasie, alte Verletzungen wie Kreuzbandrisse, chronische Überlastungen, Übergewicht oder auch genetische Faktoren. Auch Sportarten mit abrupten Stopps und Drehbewegungen können das Risiko für degenerative Veränderungen in den Gelenken erhöhen.
Typisch für Arthrose ist ihr langsamer, schleichender Verlauf. Anfangs zeigen Hunde oft nur dezente Anzeichen wie Steifigkeit am Morgen oder nach längeren Ruhephasen, sie brauchen dann etwas Zeit um sich „Einzulaufen“. Zunehmend kommen Schmerzen und Lahmheiten hinzu. Der Hund wirkt in seiner Lebensfreude deutlich eingeschränkt, bevorzugt weiche und warme Liegeplätze und wechselt im Liegen oft die Position. Arthrose ist nicht heilbar, da zerstörter Knorpel sich kaum regenerieren kann. Ziel jeder Behandlung ist daher, den Verlauf zu verlangsamen, Schmerzen zu lindern und die Beweglichkeit möglichst lange zu erhalten.
Arthritis: Die akute Gelenkentzündung
Bei der Arthritis handelt es sich um eine entzündliche Gelenkerkrankung. Dabei läuft im Gelenk ein aktiver Entzündungsprozess ab, der mit Schwellung, Wärme, Schmerzen und Bewegungseinschränkung einhergeht. Diese Entzündung kann akut oder chronisch auftreten und verschiedene Ursachen haben. Hierzu gehören beispielsweise Autoimmunprozesse (Rheumatoide Arthritis) oder Stoffwechselstörungen. Auch Infektionen wie Borreliose oder Anaplasmose können Gelenkentzündungen auslösen. Auch können über Bissverletzungen (Reißzahn) oder von anderen Infektionsorten wie Lunge oder Verdauungstrakt Keime über die Blutbahn ins Gelenk transportiert werden und zu einer septischen Arthritis führen. Besonders häufig tritt Arthritis jedoch als Folge oder im Zusammenspiel mit einer Arthrose auf, denn durch den Arthrose-bedingten Knorpelabbau wird das Gelenk gereizt, was wiederum Entzündungen begünstigt.
Die Symptome bei Arthritis treten meist plötzlich und deutlich auf. Die betroffenen Hunde zeigen oft auch bei Berührungen klare Schmerzreaktionen, meiden Bewegung und können das betroffene Gelenk kaum belasten, es tritt starkes Hinken auf. Das Gelenk ist oft heiß und geschwollen und der Hund zeigt selbst in Ruhe vermehrtes Lecken oder Beknabbern des schmerzenden Gelenks.
Im Gegensatz zur Arthrose kann die Gelenksentzündung vollständig ausheilen, je nach Ursache sind jedoch Rezidive möglich.
Gelenktherapie mit ganzheitlichem Blick
Eine moderne Gelenktherapie beim Hund beschränkt sich heute nicht mehr ausschließlich auf die Gabe von Schmerzmitteln. Ein ganzheitlicher Ansatz berücksichtigt neben einer individuell angepassten Bewegung auch gezielten Muskelaufbau, Physiotherapie, eine biologisch-artgerechte Ernährung sowie die naturnahe Unterstützung der Gelenkfunktion. Dabei kommen natürliche Wirkstoffe zum Einsatz, die den Organismus auch bei langfristiger Anwendung nicht unnötig belasten und insbesondere Leber und Nieren schonen.
Eine besondere Rolle spielt hierbei die Grünlippmuschel (Perna canaliculus). Sie liefert auf natürliche Weise wertvolle Gelenknährstoffe wie Aminosäuren und Spurenelemente, die für den Aufbau und Erhalt von Gelenkknorpel, Sehnen und Bändern von Bedeutung sind. Zu ihren wichtigsten Bestandteilen zählen Glycosaminoglykane, die auch natürlicherweise in der Gelenkflüssigkeit vorkommen, sowie spezielle Omega-3-Fettsäuren. Diese können dazu beitragen, entzündliche Prozesse im Gelenk zu lindern und die Gelenkbeweglichkeit positiv zu beeinflussen.
Ergänzend können ausgewählte Kräuter wie Hagebutte oder Mädesüß und Wurzeln wie Curcuma zur Unterstützung des Gelenkstoffwechsels eingesetzt werden. Bei fortgeschrittenen Problemen können zudem Teufelskralle und Weihrauch aufgrund ihrer schmerzlindernden und entzündungsregulierenden Eigenschaften hilfreich sein. Besonders wichtig ist es, dabei stets die individuelle Auswahl und die Kombination der eingesetzten Produkte im Blick zu haben. Die Auswahl sollte unbedingt auf Alter, Belastung, Krankheitsstadium und den allgemeinen Gesundheitszustand des Hundes abgestimmt sein und regelmäßig überdacht und eventuell neu angepasst werden.
Eine nicht artgerechte Fütterung des Hundes mit hohem Gehalt an Stärke sollte zudem unbedingt vermieden werden, denn diese Art der Ernährung fördert Entzündungen in den Gelenken und ist eine häufige Ursache für Übergewicht.
Fazit
Arthrose und Arthritis sind zwei unterschiedliche, aber eng miteinander verbundene Gelenkerkrankungen. Während Arthrose den langsam fortschreitenden Verschleiß beschreibt, steht bei Arthritis die Entzündung im Vordergrund. In der Praxis treten beide Erkrankungen häufig gemeinsam auf, denn viele Hunde mit Arthrose entwickeln im Verlauf immer wieder entzündliche Schübe, die dann als Arthritis bezeichnet werden. Wichtig zu wissen ist, dass sich Gelenkprobleme nicht immer eindeutig äußern, denn viele Hunde sind Meister darin, Schmerzen zu verbergen. Als verantwortungsbewusster Tierhalter sollte man daher unbedingt auf die genannten Symptome, aber auch auf Verhaltensänderungen wie Reizbarkeit oder Rückzug achten. Ziel einer Behandlung von Gelenkerkrankungen ist es, die Bewegungsfreude und die Lebensqualität langfristig zu verbessern, damit unsere Vierbeiner möglichst viele gemeinsame und aktive Jahre an unserer Seite verbringen dürfen.















