Viruserkrankungen beim Pferd – Borna-Krankheit

02/J

Die kleine Stadt Borna in Sachsen erlangte im Jahr 1894 auch außerhalb der Region große Bekanntheit. Das königlich sächsische Karabinier-Regiment hatte in der Stadt mehr als 1.000 Pferde stationiert, als es zu einem Ausbruch der sogenannten „Hitzigen Kopfkrankheit des Pferdes“ kam. Die Erkrankung führte auch noch in den Jahren danach zu hohen Verlusten unter den stationierten Pferden. Dass die damals beobachteten Symptome durch ein Virus ausgelöst wurden, ist jedoch erst im Jahr 1926 bekannt geworden.

Borna Virus Titelbild

Borna-Krankheit bei Pferden

Bis 1940 fielen der nun als Borna-Krankheit bekannten Infektion allein in Deutschland etwa 16.000 Pferde zum Opfer. In den Jahrzenten danach sank die Zahl der Todesfälle auf etwa 100 Pferde im Jahr, was vermutlich in der deutlich abnehmenden Zahl der Pferdebestände und den verbesserten Hygienebedingungen begründet lag. Obwohl die Borna-Erkrankung seit 2020 meldepflichtig ist, existieren für das Pferd aktuell keine offiziellen Fallzahlen.

Was sind die Merkmale der Borna-Erkrankung?

Bei der Borna-Krankheit handelt es sich um eine schwerwiegende neurologische Viruserkrankung, die meist zum Tod führt. Zu ihren Eigenschaften gehört ein auf bestimmte Endemiegebiete begrenztes Vorkommen. Innerhalb Deutschlands gelten einige Regionen in Thüringen, Sachsen, Westbrandenburg sowie der Nordosten Baden-Württembergs und ganz Bayern als Endemiegebiete. Aber auch in Teilen der Schweiz, Österreich und in Liechtenstein sind Borna-Viren verbreitet. In den Endemiegebieten sind bis zu 20 % der Pferde latent mit dem Virus infiziert. Aber wie bei anderen Virusinfektionen auch, erkranken die meisten infizierten Pferde nicht. Zeitlich ist ein bestimmtes saisonales Muster mit einer erhöhten Krankheitswahrscheinlichkeit im Frühjahr oder den frühen Sommermonaten und einem Tiefpunkt im Herbst auffällig.

Schafe und Pferde gelten als natürliche Wirte der Borna-Viren, eher selten tritt eine Infektion auch bei anderen Tierarten und dem Menschen auf. Die Viren werden dabei aber nicht direkt zwischen infizierten Pferden und auch nicht zwischen Schafen und Pferden übertragen. Dies führte bereits im vergangenen Jahrhundert zu der Annahme, dass es ein einheimisches Virusreservoir geben muss, also ein Tier, in welchem die Borna-Viren überdauern und sich vermehren können. Erst 2014 gelang der Nachweis, dass Spitzmäuse das Virus in hoher Konzentration in sich beherbergen und auf andere Tierarten übertragen können.

Borna Virus

  • Bei der Borna-Krankheit handelt es sich um eine seltene, aber schwerwiegende neurologische Viruserkrankung, die bei 80 % der betroffenen Pferde tödlich verläuft
  • Die Krankheit präsentiert sich als akut fortschreitende, nicht-eitrige Entzündung von Gehirn und Rückenmark
  • Pferde stecken sich über eine Kontamination von Stroh, Heu und Wasser mit den Ausscheidungen oder über das Einatmen von Hautschuppen infizierter Spitzmäuse an
  • Die Borna-Erkrankung ist meldepflichtig, aber erkrankte Pferde sind nicht infektiös und müssen nicht isoliert werden
  • Endemiegebiete in Deutschland sind einige Regionen in Thüringen, Sachsen, Westbrandenburg sowie der Nordosten Baden-Württembergs und ganz Bayern
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Aus dem Leben der Spitzmäuse

Die Familie der Spitzmäuse ist mit ihren mehr als 500 Arten nahezu weltweit verbreitet. Die Tiere ähneln zwar äußerlich einer Maus, gehören jedoch nicht zu den Nagetieren, sondern zu den Insektenfressern. Ihr Name leitet sich von ihrem spitz zulaufenden Kiefer ab. Die Feldspitzmaus ist nachgewiesen ein Überträger von Borna-Viren, bei den anderen Spitzmausarten fehlt dieser Nachweis bislang. Die Feldspitzmaus bewohnt in der Regel Felder, Wegränder, Wiesen und Gärten. Gerne dringen die Tiere aber auch in Lagerhallen und Stallungen ein, vor allem in der kalten Jahreszeit. 

Die nachtaktiven Feldspitzmäuse haben eine Körperlänge von 6-8 cm und sind damit relativ klein. Typisch ist ihre Fellfärbung, das Fell ist an der Oberseite braun und unten am Bauch heller. Die Augen und Ohren der Tiere sind kleiner, als es bei echten Mäusen der Fall ist, insgesamt ähnelt der Kopf eher dem eines Maulwurfes. Weibliche Tiere bekommen mit den günstigeren Witterungsbedingungen im Frühjahr ihren ersten Nachwuchs. Es wird diskutiert, dass hier die Ursache der saisonalen Häufung der Erkrankung zu suchen ist. Pro Jahr kann ein Weibchen bis zu 40 Jungtiere gebären. Beim Nachwuchs kann im Rahmen erster Ausflüge eine „Karawanenbildung“ beobachtet werden, die der Sicherheit dient. Hierbei beißen sich die Tiere jeweils im Fell des führenden Geschwistertieres fest, so dass eine lange Spitzmauskette entsteht, die im Stall für einige Verwunderung sorgen kann. Die mit dem Borna-Virus infizierte Feldspitzmaus gilt als Dauerausscheider der Viren, die Infektion verursacht jedoch bei den Tieren selbst keine Erkrankungen oder Schäden. Große Virenmengen wurden vor allem in der Maulhöhle, in den Speicheldrüsen und in den Hautzellen der Tiere nachgewiesen.

Grundsätzlich sind Feldspitzmäuse auch in Ställen und Scheunen nützliche Tiere, denn zu ihrer Nahrung gehören Käfer, Würmer, Kellerasseln, Spinnen und Larven. Jedoch kommt es hier auch zur Übertragung von Borna-Viren auf Pferde, die sich über die Kontamination von Stroh, Heu und Wasser mit Kot, Urin und Speichel oder über das Einatmen von Hautschuppen infizierter Spitzmäuse anstecken. Die Körperausscheidungen der Mäuse sind in der Umwelt vermutlich über einen längeren Zeitraum infektiös. Spitzmäuse aus Stallungen oder Lagerhallen zu verbannen, ist nahezu unmöglich. Jede Öffnung ab 4 mm Durchmesser ist eine willkommene Eintrittspforte für die flinken Winzlinge. Katzen fangen die Tiere zwar, aber sie werden wegen ihres eigentümlichen Geruches nicht gefressen.

Welche Symptome zeigen Pferde mit Borna-Erkrankung?

Die Inkubationszeit beim Pferd ist sehr variabel und kann je nach Infektionsweg und aufgenommener Virenmenge zwischen zwei Wochen und mehreren Monaten liegen. Die Borna-Krankheit präsentiert sich als akut fortschreitende, nicht-eitrige Entzündung von Gehirn und Rückenmark (Polioenzephalomyelitis). Im frühen Stadium der Erkrankung sind häufig eine gewisse Schläfrigkeit, Schreckhaftigkeit und Teilnahmslosigkeit des Pferdes auffällig. Oft kommt es auch zu Leerkauen, Gähnen, Kopfpressen und Schluckbeschwerden, die eine verringerte Futter- und Wasseraufnahme oder Koliken nach sich ziehen. Schubweise kann Fieber auftreten, welches sich in der Regel therapieresistent zeigt. Im weiteren Verlauf kommt es zu schweren Störungen von Gleichgewicht und Bewegungsabläufen, die betroffenen Pferde zeigen Ataxien, Kopfschiefhaltung, Krampfanfälle und zwanghaftes Kreislaufen. Die Tiere können auch erblinden und ins Koma fallen. Eine ursächliche Therapie der Viruserkrankung ist derzeit nicht möglich, die Prognose für erkrankte Pferde ist dementsprechend schlecht. Etwa 80 % der betroffenen Tiere verstirbt bereits innerhalb von 1 bis 4 Wochen nach Ausbruch der Erkrankung. Überlebende Pferde bleiben den Rest ihres Lebens infiziert, scheiden die Viren aber nicht aus.

Um die Erkrankung näher zu erforschen, wurden bereits Anfang des vergangenen Jahrhunderts auch Sektionen verstorbener Pferde durchgeführt. Dabei waren unter dem Mikroskop spezifische Einschlusskörperchen in den Zellkernen der Nervenzellen des zentralen Nervensystems (Gehirn und Rückenmark) auffällig. Diese Einschlüsse sind nach ihren Entdeckern als Joest-Degenschen-Einschlusskörperchen benannt worden, sie dienen noch heute der Diagnosestellung einer Infektion mit dem Virus. Ihre Ursache liegt in einer überschießenden Immunreaktion des Körpers begründet, die zu einer schweren Entzündung mit Ablagerungen führt. Diese Einschlusskörperchen verursachen die bekannten neurologischen Symptome und Funktionsstörungen. Beim Pferd scheint vor allem der Riechkolben hiervon betroffen zu sein, was darauf hindeuten könnte, dass bei dieser Tierart die Infektion über das Einatmen von Hautschuppen an vorderster Stelle steht.

Wichtig: Bei der Borna-Erkrankung handelt es sich um eine meldepflichtige Infektionskrankheit. Da jedoch vom Pferd keine Ansteckungsgefahr ausgeht, zieht eine Meldung keine Konsequenzen nach sich. Eine Isolation betroffener Tiere ist nicht nötig.

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Besteht Ansteckungsgefahr für Pferdebesitzer?

Auch beim Menschen werden in Deutschland pro Jahr etwa 2-6 Borna-Erkrankungen in den Endemiegebieten bekannt. Eine direkte Übertragung der Viren vom Pferd auf den Menschen ist jedoch nicht möglich, auch der Mensch infiziert sich ausschließlich über die Feldspitzmaus. Die Symptome beim Menschen ähneln stark denen des Pferdes, auch hier beträgt die Todesrate mehr als 90 %. Im Rahmen einer sehr umfangreichen Studie aus dem Jahr 2024, bei der archivierte menschliche Gehirnproben aus den letzten Jahrzehnten untersucht wurden, konnten bundesweit 46 Fälle einer Borna-Erkrankung labordiagnostisch bestätigt werden. Die Studie zeigt ebenfalls, dass für die vergangenen Jahrzehnte kein Anstieg der Erkrankungszahlen nachgewiesen werden kann. Laut RKI ist auch zukünftig nicht mit einer Steigerung an Krankheitsfällen zu rechnen.

Prophylaktische Maßnahmen

Eine Prophylaxe ist nur in den Endemiegebieten überhaupt sinnvoll. Ein Ansatz ist es, den Spitzmäusen im Stall das Nahrungsangebot zu entziehen, indem Komposthaufen oder herumstehendes Hunde- oder Katzenfutter entfernt werden. Borna-Viren werden durch chlor- oder formaldehydhaltige Desinfektionsmittel schnell abgetötet. Tote Spitzmäuse oder die Ausscheidungen und Nester der Tiere sollten vor dem Entfernen mit diesen Mitteln behandelt werden. Zum Eigenschutz sollten hierbei Handschuhe und ein Mund-Nasen-Schutz getragen werden. Aber auch UV-Bestrahlung, ein niedriger ph-Wert unter 3 und Hitzebehandlung (30 Minuten bei 56 Grad Celsius) inaktiviert die Viren zuverlässig.

Bei der Borna-Erkrankung handelt es sich um eine seltene Infektionskrankheit des Pferdes, es existieren daher keine weiteren Empfehlungen zur Prophylaxe.

Wie man sein Pferd gegen Viruserkrankungen schützen kann und welche pflanzlichen Helfer es zur Unterstützung im akuten Fall gibt, das haben wir in einem separaten Beitrag
für sie zusammengestellt.

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