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Viruserkrankungen beim Pferd – Grundlagen
Wie jedes Jahr im Herbst, wenn die Tage kälter und feuchter werden, wird das Thema Viruserkrankungen auch beim Pferd hochaktuell. Denn bekanntlich steigt bei unseren Pferden zu dieser Jahreszeit die Gefahr einer Ansteckung mit Erregern verschiedener Infektionskrankheiten. Weniger bekannt ist jedoch, dass in den kalten Monaten auch die Gefahr größer ist, dass bereits versteckt im Körper vorhandene Erreger reaktiviert werden und eine Infektionskrankheit ausbricht. Die Auslöser von Infektionserkrankungen sind oft Bakterien und Viren, die sich besonders in einem Organismus mit geschwächtem Immunsystem einnisten und vermehren können.
Was ist eigentlich ein Virus?
Viren sind extrem kleine Erreger, die selbst unter dem Mikroskop nicht sichtbar sind. Sie sind im Gegensatz zu Bakterien ganz minimalistisch aufgebaut und bestehen lediglich aus einer Eiweißhülle und einer Nukleinsäure, welche die Erbinformation enthält. Da Viren keinen eigenen Stoffwechsel zur Energiegewinnung besitzen und zur Vermehrung auf eine lebende Wirtszelle angewiesen sind, werden sie nicht einmal zu den Lebewesen gezählt. Und trotzdem können Viren für eine Vielzahl an Erkrankungen beim Pferd verantwortlich sein, von harmlosen Erkältungen über Durchfall bis hin zu schwerwiegenden Hirn- und Rückenmarksentzündungen.
Wie gelangt ein Virus in den Körper?
Eintrittspforten für Viren sind neben der Haut vor allem die Schleimhäute, die im Pferdekörper den Magen-Darm-Trakt und den oberen Atemtrakt bedecken. Aber auch über die Augenschleimhäute oder die Genitalschleimhäute können Viren in den Organismus gelangen. Die Übertragung von Viren erfolgt auf unterschiedlichen Wegen. Bei der Infektiösen Anämie (Retrovirus) beispielsweise erfolgt die Virenübertragung durch blutsaugende Insekten, vor allem über Pferdebremsen. Auch der Erreger der Pferdepest (Orbivirus) nutzt Insekten wie Gnitzen, um sich zu verbreiten. Herpesviren hingegen werden durch Tröpfcheninfektion übertragen. Dies kann zum Beispiel über direkten Kontakt mit dem Sekret der Maul- und Nasenschleimhaut geschehen oder auch indirekt über den Kontakt mit Tränke oder Pflegeutensilien befallener Pferde.
Das Eindringen der Viren und ihre Vermehrung im Organismus wird als Infektion bezeichnet. Ein Virus dockt hierfür an eine Körperzelle des Wirtes an, durchdringt ihre Zellmembran und schleust so seine eigene Erbinformation in die Zelle ein. Auf diese Art und Weise wird die Körperzelle umprogrammiert und produziert neue Viren, die wiederum in den Körper freigesetzt werden. Die so produzierten Viren verursachen im Gewebe vor Ort Reaktionen, die zu lokalen Symptomen wie Schnupfen oder Reizhusten führen. Jedoch sind je nach Virus und Immunstatus des Wirtes auch systemische Infektionen möglich, die sich über das Blut- oder Lymphsystem in die Organe oder den ganzen Körper ausbreiten (Virämie). Hier sind Fohlen, sehr alte oder immungeschwächte Pferde sowie chronisch kranke Tiere besonders gefährdet, da ihr Immunsystem noch nicht ausgereift, fehlgeleitet oder funktionsgestört ist.
Wie kann der Körper auf eine Virusinfektion reagieren?
Der Körper kann zur Virenabwehr das angeborene und das erworbene Immunsystem nutzen. Die angeborenen Abwehrmechanismen stehen sehr schnell zur Verfügung, sind aber eher unspezifisch. Hierzu gehört beispielsweise die Schleimbildung auf der Oberfläche der Schleimhäute des Atemtraktes. Dieser Schleim sitzt in der Luftröhre und in den Bronchien auf einem Teppich aus Flimmerhärchen. Gelangen nun Viren auf die Schleimhaut, kleben sie an dem Schleim fest und werden über feine Bewegungen der Flimmerhärchen gemeinsam mit dem Schleim wie auf einem Transportband nach oben in den Rachen transportiert, wo sie ausgehustet oder abgeschluckt werden. So wird ohne Zeit zu verlieren mehr oder weniger effektiv verhindert, dass sich Viren in die Schleimhaut einnisten können. Ein Nachteil der angeborenen Immunabwehr ist jedoch, dass die Vermehrung von Viren, die einmal die Schleimhautbarriere überwunden haben, nicht mehr effektiv verhindert werden kann – hierfür wird die viel spezifischere erworbene Immunabwehr benötigt. Diese ist außerordentlich komplex und wird unter anderem mit Hilfe von Fresszellen, Killerzellen, Enzymen und spezifischen Antikörpern realisiert. Die Aktivierung der an der erworbenen Immunabwehr beteiligten Systeme benötigt Zeit und die Antikörper müssen erst produziert werden. Dafür hat die Spezialisierung der Abwehr auf einen bestimmten Virus den Vorteil, dass sich der Körper noch einige Zeit nach der Infektion an den Erreger erinnert und bei erneutem Eindringen der Viren in den Organismus viel schneller reagieren kann (immunologisches Gedächtnis). Somit haben tatsächlich beide Abwehrsysteme ihre Berechtigung und ergänzen sich gegenseitig je nach Notwendigkeit.
Von Bedeutung ist auch, dass als Nebenwirkung der Immunreaktion eine Entzündung im Körper entsteht, sobald aus einer lokalen Infektion eine systemische wird. Dies ist einerseits ein notwendiger Effekt, da mit Hilfe von Entzündungseiweißen die Krankheitserreger markiert und so von den Abwehrzellen erkannt und bekämpft werden können. Auf der anderen Seite sind diese Entzündungsreaktionen für das Pferd sehr belastend und es besteht die Gefahr von Sekundärinfektionen mit weiteren Krankheitserregern wie Bakterien und Pilzen. Im schlimmsten Fall kann sich aus so einer Entzündung eine Blutvergiftung (Sepsis) entwickeln, im Rahmen derer der Körper im Kampf gegen die Infektion vollständig die Kontrolle verliert und seine eigenen Organe angreift.
Wie man sein Pferd gegen Viruserkrankungen schützen kann und welche pflanzlichen Helfer es zur Unterstützung im akuten Fall gibt, das haben wir in einem separaten Beitrag
für Sie zusammengestellt.
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