Viruserkrankungen beim Pferd – Influenza

01/J

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Erkrankungen der Atmungsorgane gehören in den feuchtkalten Monaten des Jahres zu den häufigsten Beschwerden beim Pferd, nahezu jedes Tier macht im Laufe seines Lebens eine Infektion der Atemwege durch. Zu unterscheiden sind hier eine Reihe von Atemwegserkrankungen, die ähnliche Beschwerden hervorrufen, die jedoch durch verschiedene Erreger mit unterschiedlicher Virulenz ausgelöst werden. Unter der Virulenz fasst man die Eigenschaften eines Erregers zusammen, die seine krankmachende Wirkung (Pathogenität) bestimmen. Einfache Erkältungskrankheiten des Pferdes werden meist durch Rhinoviren ausgelöst, die wenig virulent sind. Diese Erkrankungen verlaufen oft vom Tierhalter unbemerkt, denn die meisten Pferde erkranken nicht oder nur leicht, obwohl die Durchseuchung der Pferdebestände mit Rhinoviren relativ hoch ist. Im Unterschied hierzu rufen Influenzaviren oft schwere Erkrankungen beim Pferd hervor, die als Pferdegrippe bekannt sind, insbesondere, wenn sich Tiere mit schlechter Immunlage infizieren. Betroffen sind häufig große Bestände von Zucht- und Sportpferden, vermutlich aufgrund der hohen Stressbelastung bei dieser Risikogruppe. Die permanente weltweite Verbreitung equiner Influenzaviren erfolgt durch den Transport infizierter Tiere, welcher vor allem auch bei dieser Risikogruppe stattfindet. Für das Fluchttier Pferd stellt ein Transport immer eine besonders beängstigende Situation dar, was in der Regel eine Unterdrückung der körpereigenen Abwehrsysteme (Immunsuppression) nach sich zieht. Die Kombination aus häufigem Kontakt unterschiedlicher Pferdepopulationen mit dem immunsuppressiven Einfluss des Tiertransportes bedingt die Aufrechterhaltung der Infektionskette zwischen den verschiedenen Stallbetrieben.

Influenza Textgrafik

Eigenschaften von Influenzaviren

Influenzaviren gehören der Familie der Orthomyxoviren an, die aus einer behüllten einzelsträngigen RNA bestehen, welche die Erbinformation enthält. Auf der Oberfläche der Virushülle befinden sich spezielle Proteine, die als Spikes aus der Hülle herausragen. Über diese Spikes dockt das Virus an der Wirtszelle an und die Oberfläche von Virus und Wirtszelle verschmelzen miteinander, wodurch das Virus seine Erbinformation in den Wirt entlassen kann. Man unterscheidet die Virustypen A, B, C und D, wobei bei Säugetieren Typ A und B von größter Bedeutung sind. Das Influenzavirus ist sehr mutationsfreudig und dadurch hochvariabel, es können permanent neue Varianten entstehen. Durch die Erzeugung neuer Varianten können innerhalb kurzer Zeit Virulenz und Pathogenität der Viren gesteigert werden.

Das equine Influenzavirus

Das Influenzavirus des Pferdes ist ein Typ A-Virus, welches weltweit verbreitet ist und seuchenähnlich auftreten kann. Influenzaviren vom Typ A besitzen ein breites Wirtsspektrum und lösen nicht nur beim Pferd, sondern auch bei vielen anderen Säugetieren, bei Vögeln und auch beim Menschen Erkrankungen aus. Es existieren beim Pferd 2 Subtypen, die unter den Namen H3N8 und H7N7 bekannt sind. Beim Subtyp H7N7 kann die Zeit von der Ansteckung bis zum Ausbruch der Erkrankung (Inkubationszeit) bis zu 8 Tage betragen, die Symptome fallen oft milder aus und die Gefahr von Sekundärinfektionen oder anderen Komplikationen ist nicht ganz so hoch. Eine Infektion mit dem Subtyp H3N8 verläuft oft schwerer und die Symptome treten meist bereits innerhalb der ersten 24 Stunden nach Infektion auf.

Die Übertragung der Viren erfolgt meist direkt von Pferd zu Pferd über Tröpfcheninfektion, aber auch mittels Kontaktinfektion über Personen, Gegenstände oder Futter und Wasser. Das Virus bewirkt eine Entzündung der Schleimhautoberfläche des Atmungstraktes, indem es sich in die oberste Schicht der Schleimhaut einnistet und dort vermehrt. Hiervon kann die gesamte Schleimhaut zwischen den Nüstern über den Rachen, Luftröhre und Bronchien bis hin zur Lunge betroffen sein. Die Entzündung der Schleimhaut führt zum Absterben der Zellen, was bakterielle Sekundärinfektionen mit Eitererregern wie Streptokokken und Staphylokokken oder auch Mykoplasmen begünstigt. In besonders schweren Fällen kann eine Herzmuskelentzündung (Myokarditis) oder eine Lungenentzündung (Pneumonie) entstehen.

Als Folge der Virusinfektion kommt es je nach Immunlage und den weiteren Umständen zu den typischen Grippesymptomen mit charakteristischem trockenem Husten, der anfallsartig auftritt und für das Tier sehr schmerzhaft sein kann. Das Hustensekret ist vor allem in den ersten Tagen hochinfektiös und verteilt die Viren über eine Entfernung von bis zu 40 Meter. Betroffene Pferde zeigen weiterhin eine beschleunigte Atmung, einen wässrigen Nasenausfluss, Fieber bis 42 Grad, Lethargie und ein schlechtes Allgemeinbefinden. Ein häufiges Problem ist auch Appetitlosigkeit, welche meist durch die Hustenanfälle und die daraus folgenden Halsschmerzen bedingt ist. Bei bakteriellen Sekundärinfektionen kann es auch zu eitrigem Nasen- und Augenausfluss kommen. Die normalerweise haselnussgroßen Lymphknoten im Kehlbereich können anschwellen, ein deutliches Zeichen dafür, dass sich das Immunsystem des Tieres mit den Viren auseinandersetzt. Bei trächtigen Stuten kann es in seltenen Fällen zum Abort kommen, wobei dieser weniger durch das Influenzavirus, sondern eher durch das hohe Fieber ausgelöst wird.

Ansteckungsgefahr

Wichtig zu wissen ist, dass equine Influenzaviren auch Esel, Maultiere und Maulesel befallen können, wobei die Symptome denen des Pferdes entsprechen.

Auch beim Menschen sind einige Fälle von Infektionen mit den Influenza-Subtypen H7N7 und H3N8 bekannt, jedoch erfolgte die Ansteckung hier über Vögel, die als Erregerreservoir für viele Influenzaviren bekannt sind. Vögel machen eine asymptomatische Infektion durch und scheiden hohe Virenmengen mit dem Kot aus, an welchem sich der Mensch infizieren kann. Es besteht keine Gefahr, sich als Mensch beim Pferd mit einem der beiden equinen Influenza-Subtypen anzustecken.

Hingegen existieren aus den USA und Australien Berichte von Ausbrüchen equiner Influenza bei Hunden. In diesen Fällen hat das Virus somit die Artengrenze überschritten und der Subtyp H3N8 wurde vom Pferd auf den Hund übertragen. Allerdings ist derzeit das Risiko der Ansteckung von Hunden in Deutschland nach aktuellem Kenntnisstand als sehr gering einzustufen.

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Umgang mit der Erkrankung

Die Influenza beim Pferd ist nicht meldepflichtig und auch nicht anzeigepflichtig. Betroffene Pferde sollten jedoch sofort isoliert werden, um ein Übergreifen auf den Bestand zu verhindern. Im Idealfall erfolgt die Unterbringung erkrankter Tiere in einem staubfreien und gut belüfteten Teil des Stalles, der dennoch vor Zugluft geschützt und ausreichend temperiert ist. Das Futter muss sehr hochwertig und besonders schmackhaft sein, um einem Abbau von Körper- und Muskelmasse vorzubeugen. Das Einweichen des Futters erleichtert zusätzlich das Abschlucken der Nahrung bei Halsschmerzen. Absolute Ruhe und Schonung sollten bei dieser Erkrankung selbstverständlich sein. Zu beachten ist auch, dass die Zeit bis zur vollständigen Genesung (Rekonvaleszenz) mehrere Wochen betragen kann. Das Training sollte so lange pausiert werden, bis sich das Pferd vollständig von der Erkrankung erholt hat, um Folgeschäden wie Myokarditis zu vermeiden.

Die Verhinderung einer Virenübertragung auf immungeschwächte Tiere durch entsprechende Hygienemaßnahmen sollte oberste Priorität haben. Hierzu gehören Kleiderwechsel und regelmäßige Schuh- und Handhygiene. Das gesamte Personal des Stallbetriebes sollte geschult im Umgang mit Virusinfektionen und in der Lage sein, erkrankte Tiere frühzeitig zu erkennen.

Wie bei vielen Virusinfektionen existiert auch für die Influenza beim Pferd eine Impfung, über deren Sinnhaftigkeit im Einzelfall entschieden werden muss.

Wie differenziere ich als Pferdebesitzer zwischen Erkältung und Influenza?

Eine durch Rhinoviren ausgelöste und oft harmlos verlaufende Erkältung beginnt schleichend und die Symptome entwickeln sich über mehrere Tage. Bei der Influenza erscheinen die Symptome sehr plötzlich, oft innerhalb weniger Stunden. Das Pferd kann für den Tierbesitzer zum Beispiel am Nachmittag schwer gezeichnet oder plötzlich gealtert erscheinen, obwohl es am Vormittag noch völlig unauffällig war und mit den anderen Pferden über die Koppel gelaufen ist. Bei einer Erkältung ist die Körpertemperatur in der Regel nur leicht erhöht. Steigt der Wert auf über 39,5 Grad an, besteht die Gefahr, dass sich das Pferd eine Infektion mit dem Influenzavirus zugezogen hat. Bei einer Erkältung ist das Allgemeinbefinden nur leicht vermindert, da nur die oberen Atemwege betroffen sind. Eine Infektion mit dem Influenzavirus verursacht oft eine starke Beeinträchtigung des Allgemeinbefindens, das Pferd kann apathisch erscheinen.

Zu beachten ist: Die Virusgrippe ist eine schwere Erkrankung, die durchaus den Tod des Pferdes zur Folge haben kann. Bei schlechter Immunlage, nicht ausreichender Ruhe oder zu früher Belastung kann es zu Folgeerkrankungen wie Lungenentzündung oder Herzmuskelentzündung kommen. In unklaren Fällen ist es daher besser, einmal mehr fachlichen Rat einzuholen und das Pferd von einem Mediziner untersuchen zu lassen.

Wie man sein Pferd gegen Viruserkrankungen schützen kann und welche pflanzlichen Helfer es zur Unterstützung im akuten Fall gibt, das haben wir in einem separaten Beitrag für sie zusammengestellt: Pflanzliche Helfer bei Viruserkrankungen

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