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Viruserkrankungen beim Pferd – West-Nil-Virus
Im September 2024 brachte das Friedrich-Löffler-Institut (FLI) eine Pressemitteilung heraus, in der für das Jahr 2024 eine Häufung von Infektionen mit dem West-Nil-Virus beim Pferd gemeldet wurde. Als Haupt-Endemiegebiete wurden die ostdeutschen Bundesländer Berlin, Brandenburg, Sachsen und Sachsen-Anhalt genannt. Auch im niedersächsischen Bereich wurden im Sommer vermehrt Fälle von Infektionen beim Pferd nachgewiesen, die zum Teil schwerwiegend verlaufen sind. Bis September 2024 waren insgesamt bereits 85 Pferde mit dem Virus infiziert, wobei von einer hohen Dunkelziffer auszugehen ist. Diese Meldungen führten zu einiger Unruhe unter Pferdebesitzern, denn das vom Virus verursachte West-Nil-Fieber scheint sich unter den Pferden immer weiter auszubreiten. Doch wie kommt ein Virus mit einem afrikanischen Namen eigentlich nach Deutschland?
Geschichte und Namensgebung
Das West-Nil-Virus gehört zur Gattung der Flaviviren, die aus einem behüllten RNA-Einzelstrang bestehen. Bislang sind 9 phylogenetische Linien bekannt, jedoch sind nur die Linien 1 und 2 für symptomatische Infektionen bei Menschen und Tieren relevant. Alle bisher in Deutschland nachgewiesenen Virenisolate konnten der Linie 2 zugeordnet werden.
Das West- Nil-Virus wurde erstmals 1937 bei einem Menschen im zum West-Nil-Distrikt gehörenden Land Uganda nachgewiesen und nach dieser Region benannt. In den 1960er Jahren wurden die ersten Fälle im südeuropäischen Raum beobachtet, die Verbreitung erfolgte mit großer Wahrscheinlichkeit über Zugvögel. Der erste in Deutschland erworbene Fall einer Infektion beim Menschen wurde im September 2019 bekannt. Seit 2019 werden dem Robert-Koch-Institut jedes Jahr zwischen 5 und 23 Erkrankungen beim Menschen gemeldet. Für 2024 sind bis Anfang Dezember bereits 39 Meldungen eingegangen, was auf eine gesteigerte Virenaktivität in Deutschland hindeutet. Auch hier gelten viele ostdeutsche Länder bereits als Endemiegebiete. Vor allem ältere Menschen oder solche mit Vorerkrankungen tragen das Risiko eines schweren Verlaufes.
Im Jahr 2018 wurde das West-Nil-Virus erstmals in Deutschland bei 2 Pferden nachgewiesen. Doch während zwischen 2020 und 2023 pro Jahr 17-22 Infektionen bei Pferden in Deutschland belegt sind, weist das FLI als verantwortliche Bundesbehörde im Veterinärbereich mit Stand vom 19.11.2024 bereits 176 Fälle beim Pferd aus. Die Häufung von Infektionen wird auf das feuchtwarme Klima mit einer starken Vermehrung innerhalb der Stechmückenpopulation zurückgeführt.
Übertragung und Saisonalität
Als Hauptüberträger (Vektoren) gelten Stechmücken der Gattung Culex, die in Deutschland weit verbreitet sind. Mücken dieser Gattung sind äußerst anpassungsfähig und können sogar in stark verschmutztem Wasser wie Klärgruben oder Latrinen brüten und Massenpopulationen ausbilden. Zu erkennen sind die 4-10 mm großen Culex-Arten an ihrem gekrümmten Körper. Die Mücke nimmt das Virus mit dem Akt des Blutsaugens bei infizierten Vögeln auf. Im Darm der Mücke kann die Vermehrung der Viren stattfinden, da diese resistent gegenüber den Verdauungssäften sind. Vom Darm aus wandern die Viren in die Speicheldrüsen der Mücke und beim nächsten Stich werden sie über den infektiösen Speichel auf andere Tiere oder den Menschen übertragen. Die Zeitdauer der Virenvermehrung innerhalb der Mücke ist temperaturabhängig und in Phasen starker Hitze besonders kurz. In den vergangenen Jahren wurden die ersten Infektionen des Jahres immer Anfang bis Mitte Juli zunächst bei Vögeln gemeldet. In den Folgemonaten verbreitet sich das Virus dann auch bei Menschen und Pferden. Die Überwachungssaison der Behörden dauert von Juni bis November, in dieser Zeit sollte demnach auch der Pferdebesitzer sein Tier besonders gut beobachten. Insbesondere feuchtwarme Spätsommer lassen sowohl die Mückenpopulation als auch die Infektionszahlen schnell ansteigen.
Der Vogel als Amplifikationswirt - das Pferd als Fehlwirt
Typischerweise zirkuliert das Virus in der Natur zwischen Stechmücken als Vektor und Vögeln als Amplifikationswirt und Erregerreservoir. Von einem Amplifikationswirt spricht man, wenn sich das Virus im Wirt so stark vermehren kann, dass eine hohe Viruslast im Blut erreicht wird und sich eine neue Stechmücke bei einem Stich infizieren kann. Grundsätzlich kommen sehr viele Vogelarten als Amplifikationswirte in Betracht, allerdings gelten unter anderem Greifvögel, Rabenvögel, Sperlinge und Eulen als äußerst empfänglich für das West-Nil-Virus. Bei diesen Vogelarten kann es zu regelrechten Epidemien mit Todesfällen kommen, während eine Infektion bei vielen anderen Vogelarten oft symptomlos verläuft. Auch Geflügel kann infiziert werden, jedoch scheinen Hühner, Enten und Gänse weniger empfänglich zu sein.
Neben den sogenannten Amplifikationswirten gibt es auch Wirte, in denen sich das Virus nicht in so großer Zahl vermehren kann, dass es für eine Re-Infektion der Mücke ausreicht. Diese Wirte werden als Fehlwirte bezeichnet, sie stellen für das Virus sozusagen eine Sackgasse dar. Pferde, Menschen und auch die meisten anderen Säugetiere gelten als Fehlwirte für das West-Nil-Virus, von ihnen geht keine Infektionsgefahr aus. Das Pferd kann dementsprechend keine Viren auf Menschen, Artgenossen oder andere Haustiere übertragen, von ihm geht somit keine Gefahr aus.
Symptome beim Pferd
Das West-Nil-Fieber verläuft bei ansonsten gesunden Pferden meist symptomlos. Bei 10-20 % der infizierten Pferde kommt es jedoch nach einer Inkubationszeit von 3-15 Tagen zur Ausbildung einer klinischen Erkrankung. Viele dieser Pferde zeigen zu Beginn unspezifische Symptome einer fiebrigen Allgemeinerkrankung wie Schwäche oder Fressunlust. Im weiteren Verlauf kommt es bei etwa 8 % dieser Pferde zu einem schweren Verlauf mit neurologischen Symptomen bis hin zu Hirn- oder Hirnhautentzündungen (Enzephalitis bzw. Meningitis). Für den Pferdebesitzer können in dieser Phase der Erkrankung Stolpern, Hinterhandlähmung, Schwäche und Muskelzittern auffällig sein. Auch Defizite der Kopfnerven sind beschrieben, die je nach Lokalisation der betroffenen Nerven zu Gesichtslähmungen, Kopfschiefhaltung, Schluckstörungen, Lichtempfindlichkeit oder einem Verlust der Drohantwort führen können. Schreitet die Erkrankung weiter fort, kann es zu Ataxien, Krämpfen und Lähmungen bis hin zum Festliegen kommen. Bei Autopsien betroffener Pferde wurden Knötchen, Entzündungen und Einblutungen im Bereich von Hirnstamm und Rückenmark gefunden, welche die beschriebenen Symptome erklären. Etwa 30-40 % der Pferde mit neurologischen Symptomen versterben an der Erkrankung, wobei ein Großteil der Tiere aufgrund der schwerwiegenden Symptome euthanasiert wird. Als negativer prognostischer Faktor wurde das Festliegen ermittelt, bei diesen Tieren ist die Wahrscheinlichkeit eines tödlichen Verlaufes relativ hoch. Pferde, die eine symptomatische Infektion überleben, können lebenslang neurologische Symptome wie Muskelschwäche oder Ataxien zurückbehalten.
Wichtig: Eine Infektion mit dem West-Nil-Virus beim Pferd ist eine anzeigepflichtige Erkrankung, die dem zuständigen Veterinäramt gemeldet werden muss. Angezeigt werden muss nicht nur eine nachgewiesene Infektion, sondern auch der Verdacht auf eine Erkrankung. Da wirkungsvolle Bekämpfungsmaßnahmen fehlen und infizierte Tiere nicht ansteckend sind, muss der Halter des betroffenen Pferdes keine Konsequenzen durch den Amtsveterinär fürchten.
Prophylaxe
Ausbrüche des West-Nil-Virus werden gehäuft dann gemeldet, wenn die Voraussetzungen für die Vermehrung der Vektoren günstig sind. Spätestens Anfang Juni sollten somit Brutstätten von Stechmücken wie zum Beispiel künstliche Wasserstellen, Regentonnen, Gullys und Zisternen abgesichert oder beseitigt werden. Die Anwendung von Insektiziden wird von der Nationalen Expertenkommission Stechmücken am FLI aktuell nicht als notwendig erachtet, zumal die Auswirkungen eines solchen Einsatzes für andere Insekten oder deren Frassfeinde nicht abzusehen sind. Empfohlen werden kann jedoch der Einsatz von Produkten zur biologischen Schädlingsbekämpfung. Hier haben sich Präparate mit dem bodenlebenden Bakterium Bacillus thuringiensis israelensis (Bti) bewährt. Die Wirkung des Bakteriums kommt dadurch zustande, dass es während der Sporenbildung Proteinkristalle produziert, welche die Darmwand schädigen und somit zum Tod der Mückenlarven führt. Untersuchungen haben ergeben, dass durch Bti mindestens 90% der Stechmückenlarven getötet werden. Die verantwortungsbewusste Anwendung dieses Mittels sollte sich jedoch auf künstliche Wasserstellen beschränken, da ein Bti-Einsatz in natürlichen Feuchtgebieten einen Verlust der Nahrungsgrundlage für viele Amphibien und deren Kaulquappen verursacht. Eine weitere prophylaktische Maßnahme stellt der regelmäßige Wechsel des Trinkwassers in Pferdetränken dar, damit sich eventuell infizierte Stechmücken nicht vermehren können. In der Dämmerung und zur Nacht sollte kein Licht in der Nähe der Pferde brennen, damit Mücken nicht angezogen werden. Auch ein eingeschränkter Weidegang während der Dämmerung kann in den betroffenen Gebieten nützlich sein. Verendete Wildvögel in der Nähe von Weiden und Koppeln sollten sofort aufgesammelt werden (Gummihandschuhe benutzen). Bei wiederholtem Auffinden toter Vögel in der Nähe von Pferdebeständen, können diese Vögel zur Untersuchung auf das West-Nil-Virus an das Nationale Referenzlabor des FLI eingesendet werden.
Im Rahmen der Stichprophylaxe haben sich pflanzliche Antimückenmittel mit Geraniol als äußerst effizient erwiesen. Die Präparate werden mittels Sprühflasche oder per Schwamm auf den Körper des Pferdes aufgetragen. Das Geraniol sorgt dafür, dass die Mücken die Orientierung verlieren und ihren Wirt nicht mehr auffinden können.
Aktuell stehen für das Pferd auch 3 Impfstoffe zur Verfügung, die jedoch keinen Schutz vor einer Infektion bieten, sie sollen aber den Verlauf abmildern. Der Einsatz sollte daher individuell überdacht werden.
Wie man sein Pferd gegen Viruserkrankungen schützen kann und welche pflanzlichen Helfer es zur Unterstützung im akuten Fall gibt, das haben wir in einem separaten Beitrag
für sie zusammengestellt.
Hier finden Sie Beiträge zu den Themen
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Influenza
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Borna-Krankheit













