Dasselfliegen beim Pferd – vom Lästling zum inneren Parasiten

09/K

Im Spätsommer sind auf dem Fell mancher Pferde plötzlich kleine gelbe Punkte zu sehen. Was auf den ersten Blick wie kleine Würmer, Schmutz oder Pflanzenbestandteile aussieht, sind die Eier der Dasselfliege. Die ausgewachsenen Fliegen selbst leben nur kurze Zeit und stechen das Pferd nicht. Dennoch können vor allem ihre Larven für große Unruhe sorgen, denn diese verbringen einen Großteil ihrer Entwicklung als Parasit im Verdauungstrakt des Pferdes.

Keine Würmer, sondern echte Fliegen

Umgangssprachlich werden Dasselfliegen häufig „Dasselwürmer“ oder „Magendasseln“ genannt. Sie gehören jedoch nicht zu den Würmern, sondern zur Ordnung der Zweiflügler und hier zur Unterordnung der Fliegen. In Deutschland kommen mehrere Arten vor, besonders häufig beim Pferd ist Gasterophilus intestinalis. Ausgewachsene Dasselfliegen erinnern mit ihrem behaarten Körper ein wenig an kleine Hummeln. Während ihrer kurzen Lebenszeit steht vor allem die Fortpflanzung im Mittelpunkt. Die Weibchen suchen gezielt Pferde auf, um ihre Eier abzulegen. Dabei fliegen sie die Tiere immer wieder schnell an, was beim Pferd Abwehrverhalten auslöst. Gerade auf der Weide kann daraus eine erhebliche Stresssituation entstehen.

Wann Dasselfliegen besonders aktiv sind, hängt vom Klima ab. In unseren Regionen findet die Eiablage hauptsächlich im Spätsommer und Herbst statt. Bei entsprechend warmer Witterung kann sich die Flugzeit verschieben oder verlängern.

Dasselfliegen Pferd Foto

Wo Dasselfliegen ihre Eier ablegen

Die Eier der Dasselfliege sind nur etwa ein bis zwei Millimeter groß, aufgrund ihrer meist hellgelben Färbung sind sie aber dennoch gut sichtbar. Sie werden von der weiblichen Fliege fest an die einzelnen Haare des Pferdes geklebt und lassen sich deshalb nicht einfach mit der Hand abstreifen. Gasterophilus intestinalis legt ihre Eier bevorzugt an den Vorderbeinen, an der Schulter und im Bereich der Flanken ab, andere Arten nutzen eher den Kopf- und Kehlbereich. Die Position der Eier auf dem Pferd ist kein Zufall. Sie befinden sich häufig an Stellen, die das Pferd mit dem Maul erreichen kann.

Eine Besonderheit stellt Gasterophilus pecorum dar. Diese Art legt ihre Eier nicht direkt auf dem Pferd, sondern an Pflanzen ab, die anschließend beim Grasen aufgenommen werden können.

Eine Fliege mit ungewöhnlichem Lebenszyklus

Wärme, Feuchtigkeit und die mechanische Reizung beim Belecken fördern das Schlüpfen der Fliegenlarven. Durch das Knabbern und Lecken gelangen Eier und frisch geschlüpfte Larven ins Maul des Pferdes, wo die eigentliche parasitische Phase beginnt. Die Larven halten sich für etwa 4 Wochen in der Maulhöhle auf, wo sie sich in Zunge, Zahnfleisch und Schleimhaut einnisten. Wenn sie nach dieser Zeit das Gewebe verlassen, werden sie mit dem Speichel abgeschluckt. Im Magen angekommen, heften sich die Larven mit ihren kräftigen Mundhaken an die Magenschleimhaut, wo sie 8-10 Monate verbleiben. Am Ende ihrer Entwicklung lösen sich die nun bis zu etwa zwei Zentimeter langen Larven von der Schleimhaut und werden mit dem Kot ausgeschieden. Die kräftigen, deutlich gegliederten Larven sind meist rötlich bis bräunlich gefärbt und tragen an ihren Körpersegmenten auffällige Reihen kleiner Dornen. Auf dem Boden verpuppen sie sich schließlich, bevor einige Wochen später die erwachsenen Dasselfliegen schlüpfen.

Nicht jeder Befall macht das Pferd krank

Die Larven der Dasselfliege können in erstaunlich großer Zahl im Magen eines Pferdes vorkommen, ohne dass das Tier Symptome zeigt. Heute wird ihre klinische Bedeutung deshalb differenzierter beurteilt als früher. Nach aktuellem Wissensstand gehören Dasselfliegenlarven nicht zu den wichtigsten krankmachenden Magen-Darm-Parasiten des Pferdes. Dennoch können sie die Schleimhäute reizen und bei stärkerem Befall gesundheitliche Probleme verursachen.

Beschwerden können bereits während der Wanderung der Larven durch die Maulhöhle entstehen. Durch die mechanische Reizung können sich die Schleimhäute entzünden. Betroffene Pferde können empfindlich beim Fressen reagieren, stärker speicheln, auffällig kauen oder Schwierigkeiten bei der Futteraufnahme zeigen. Auch Kopfschlagen wird im Zusammenhang mit Larvenstadien in der Maulhöhle beschrieben.

Im Magen verursachen die Mundhaken der Larven kleine Verletzungen an den Stellen, an denen sie sich festsetzen. Dadurch können lokale Entzündungen und Schleimhautveränderungen entstehen. In seltenen Fällen sind stärkere Schädigungen möglich. Schwere Komplikationen wie eine Durchbohrung der Magenwand sind beschrieben, treten jedoch ausgesprochen selten auf. Auch der Darm des Pferdes kann betroffen sein, so dass befallene Tiere kolikartige Beschwerden und Durchfälle zeigen können.

Der Stress beginnt schon beim Anflug

Nicht nur die Larven können dem Pferd Probleme bereiten. Bereits die erwachsenen Dasselfliegen sorgen bei manchen Pferden durch ihr typisches Anfluggeräusch für starken Stress. Die Tiere können nervös werden, plötzlich losrennen, mit den Vorderbeinen schlagen, stampfen oder versuchen, vor den Fliegen davonzulaufen. Für Pferde, die ohnehin empfindlich auf Insekten reagieren, kann die Flugzeit daher stark belastend sein. Eine Besonderheit besteht darin, dass Dasselfliegen im Gegensatz zu Bremsen oder Stechmücken kein Blut saugen. Das hektische Abwehrverhalten des Pferdes entsteht somit nicht als Reaktion auf einen schmerzhaften Stich, sondern vor allem durch das Anfliegen und die Eiablage.

Dasselfliegen Zusammenfassung

Warum eine normale Kotprobe die Larven nicht erfasst

Bei der modernen Parasitenkontrolle spielen Kotuntersuchungen eine wichtige Rolle. Für Dasselfliegen funktioniert dieses Prinzip jedoch nicht, denn Dasselfliegen sind keine Würmer und vermehren sich nicht im Darm des Pferdes, indem sie dort Eier produzieren. Eine klassische Untersuchung des Pferdekots auf Wurmeier kann einen Befall mit Dasselfliegenlarven deshalb nicht zuverlässig ausschließen. Das ist insbesondere bei einem selektiven Entwurmungsmanagement wichtig. So bedeutet eine negative Kotprobe auf Wurmeier nicht automatisch, dass das Pferd auch frei von Dasselfliegenlarven ist.

Einen ersten Hinweis auf einen möglichen Befall liefern vielmehr die typischen Eier im Fell. Manchmal können auch Larven in der Maulhöhle entdeckt werden. Die im Magen sitzenden Larven lassen sich nur bei einer Magenspiegelung finden. Selten werden reife Larven auch im Kot beobachtet, wenn sie den Körper verlassen.

Eier möglichst früh aus dem Fell entfernen

Dasselfliegen gehören zum natürlichen Parasitenspektrum des Pferdes und sind in vielen Regionen weit verbreitet. Obwohl nicht jeder Befall zu einer Erkrankung führt, sind sie dennoch mehr als nur lästige Fliegen. Eine einfache Maßnahme zur Verringerung der Aufnahme besteht darin, die Eier regelmäßig aus dem Fell zu entfernen. Es gibt auch spezielle Dasselmesser beziehungsweise Dasselklingen, um die festgeklebten Eier von den Haaren zu lösen. Besonders aufmerksam sollten während der Flugzeit die Vorderbeine, Schultern, Flanken sowie der Kopf- und Kehlbereich kontrolliert werden. Je früher die Eier entfernt werden, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass das Pferd beim Belecken Larven aufnimmt. Die entfernten Eier sollten nicht einfach dort auf den Boden fallen, wo Pferde grasen oder fressen. Sinnvoller ist es, sie aufzufangen und zu entsorgen.

Bei größeren Pferdegruppen lohnt es sich außerdem, möglichst alle Tiere regelmäßig zu kontrollieren. Pferde betreiben gegenseitige Fellpflege und können auf diese Weise auch Larven von anderen Pferden aufnehmen. Werden die Eier konsequent entfernt, kann bereits ein Teil der Larvenaufnahme verhindert und der Befallsdruck deutlich reduziert werden.

Pflanzliche Unterstützung in der Dasselfliegenzeit

Ein altes Hausmittel gegen Dasselfliegen ist Meerrettich, der durch seine Scharfstoffe das Einnisten der Larven im Magen verhindern kann und gleichzeitig Verdauungsbeschwerden behebt. Der Meerrettich sollte dem Pferd als getrocknetes Pulver verabreicht werden, weil mit dem Trockenvorgang die Schärfe der Wurzel deutlich reduziert wird. Ergänzend können bitterstoffreiche Kräuter wie Wermut eingesetzt werden. Sie regen die Bildung und Ausschüttung von Verdauungssäften an und unterstützen so die Verdauungsfunktion. Walnussblätter liefern Gerbstoffe, die zur Pflege gereizter oder beanspruchter Schleimhäute beitragen können. Entzündungshemmende und beruhigende Kräuter wie Kamille und Salbei können die Mischung sinnvoll ergänzen und die empfindliche Schleimhaut im Maul- und Magenbereich unterstützen.

Mit regelmäßiger Kontrolle, dem Entfernen der Eier und einer gezielten Unterstützung des Verdauungstraktes lässt sich das Pferd gut durch die Dasselfliegenzeit begleiten.

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