Die Zeckensaison hat begonnen

02/J

Zecken Titelbild

Spätestens mit Beginn der Frühlingszeit bringen sie jedes Jahr auch den tierliebsten Hundehalter an seine Grenzen: Die Rede ist von Zecken, den spinnenähnlichen Gebilden, die unsere Vierbeiner draußen überfallen und sich vom Blut unserer Lieblinge ernähren. Besonders im Frühjahr von März bis Mai und dann wieder ab September haben die ausgewachsen achtbeinigen Krabbeltiere ihre Aktivitätshöhepunkte. Von den etwa 900 bekannten Zeckenarten sind einige auch in Deutschland weit verbreitet. Sie gehören zur Familie der Schildzecken und sind auch bei uns bedeutende Überträger von Infektionskrankheiten. Diese Zeckenarten sollen im Folgenden kurz vorgestellt werden.

Holzbock

Holzbock

Die mit Abstand häufigste Zeckenart in Deutschland ist der Gemeine Holzbock (Ixodes ricinus). Ausgewachsene Holzböcke sind im nicht vollgesaugten Zustand etwa 3-4 mm lang. Bevorzugte Lebensräume sind Mischwälder und Feuchtwiesen. Holzböcke lieben eine hohe Luftfeuchtigkeit über 85 % und sind wenig tolerant gegenüber Trockenheit. Sie besitzen keine Augen und benutzen ihr Hallersches Organ, um potenzielle Wirte über ihre Ausdünstungen wahrzunehmen. Holzböcke sind Lauerjäger, die Suche nach einem Wirt beginnt ab einer Temperatur von etwa 10 Grad Celsius. Dann klettert die Zecke gern auf Grashalme oder auch Büsche, bis zu einer Höhe von 150 cm, wo sie vom Wirt abgestreift wird. Vor dem Festsaugen wandern die Holzböcke oft mehrere Stunden auf ihrem Wirt herum, bis sie eine passende Stelle für ihre Blutmahlzeit gefunden haben. Erwachsene Tiere saugen 7 bis 10 Tage Blut bevor sie abfallen. Das Wirtsspektrum der Holzböcke ist außerordentlich groß, es werden mehr als 300 Tierarten befallen.

Der Holzbock überträgt ab einem Saugvorgang von etwa 24 Stunden die Erreger von Anaplasmose und Borreliose, wenn er selbst von diesen befallen ist. In seltenen Fällen können Wirte auch mit der Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) infiziert werden.

Auwaldzecke

Auwaldzecke

Seit Ende des vergangenen Jahrhunderts fühlt sich auch die Auwaldzecke (Dermacentor reticulatus) zunehmend in Deutschland heimisch. Diese Zeckenart gehört zur Gattung der Buntzecken, sie kann leicht an ihrem beige-braun marmorierten Rückenschild erkannt werden. Auwaldzecken sind mit 5 mm etwas größer als der Holzbock. Sie sind zudem deutlich besser an Trockenheit adaptiert. Bereits ab 4 Grad Celsius werden Auwaldzecken aktiv und können somit auch in milden Wintern auf unseren Haustieren gefunden werden. Die Art bevorzugt naturbelassenes Brachland mit unberührten Wiesen und Wäldern. Hier nutzen die Zecken auch Hasen, Kaninchen, Füchse und Mäuse als Wirte. Im Gegensatz zum Holzbock sind die Männchen bei der Auwaldzecke größer als die weiblichen Tiere.

Die Buntzecke überträgt ab 12 Stunden Saugzeit den Erreger Babesia canis, welcher die sogenannte Hundemalaria auslösen kann. Vor allem im Raum Berlin-Brandenburg und in den südwestlichen Gebieten von Deutschland kommt diese Zeckenart mittlerweile in Massen vor und löst regelmäßig Erkrankungen aus.

Igelzecke

Igelzecke

Die Igelzecke (Ixodes hexagonus) ist im vollgesaugten Zustand gut zu erkennen, da sie eine weiße bis beige Färbung besitzt und damit deutlich heller ist als die anderen Zeckenarten. Ihre Größe beträgt wie beim Holzbock 3-4 mm. Die Zecke geht nicht aktiv auf Wirtssuche, sondern sie wartet in ihrem Nest darauf, dass potenzielle Wirte vorbei kommen. Beim Herausdrehen zeigt sich diese Zecke oft beharrlich und es sind meist einige Umdrehungen mehr notwendig, um sie zu entfernen. Der Hauptwirt dieser Zecke ist der Igel, aber es werden auch Hunde und Katzen befallen, vor allem nach Kontakt mit den Stacheltieren. Die Igelzecke mag Nestwärme und krabbelt nach dem abgeschlossenen Saugakt vom schlafenden Wirt hinunter, um es sich in dessen Quartier gemütlich zu machen. Bei einem Befall von Hunden und Katzen sollten daher auch Decken, Kissen und Körbe auf Zecken untersucht werden.

Die Igelzecke überträgt vermutlich Babesia vulpes, eine kleine Babesienart. Die durch den Erreger ausgelöste Erkrankung kommt hin und wieder bei Hunden vor und die Therapie ist nicht ganz einfach ist, weil der Erreger auf die klassische Babesientherapie nicht anspricht.

Hyalomma

Hyalomma

Zecken der Gattung Hyalomma sind auffällig groß, Ihr Durchmesser kann bis zum Dreifachen vom Holzbock betragen. Manchmal werden sie von Tierhaltern auch für eine Spinne gehalten. Die Zecke besticht nicht nur durch ihre Größe, sie hat auch eine auffällige Streifung an den Beinen. Hyalomma war lange Zeit eher in Gebieten mit wärmeren Temperaturen heimisch, seit dem ersten Fund im Jahr 2015 werden diese Zecken jedoch auch regelmäßig in ganz Deutschland nachgewiesen und überwintern hier mittlerweile auch. Während Larven und Nymphen auch kleine Säugetiere und Vögel als Wirte nutzen, so sind die ausgewachsenen Tiere eher auf Rindern, Schafen, Ziegen und Pferden zu finden. Die Einschleppung der Zecke erfolgte vermutlich über Zugvögel. In Studien konnte gezeigt werden, dass etwa 21 % der Vögel, die von Afrika nach Europa ziehen, unreife Stadien von Hyalomma-Zecken an sich haften haben. Die Riesenzecken unterscheiden sich von den anderen Zeckenarten auch durch ihr aktives Jagdverhalten. Sie besitzen Augen und erkennen potenzielle Wirte auf eine Entfernung von 10 Meter. Sie laufen dabei zügig auf ihr Opfer zu und verfolgen es über eine Strecke von bis zu mehreren 100 Metern.

Für Hunde und Katzen spielt diese Zecke als Krankheitsüberträger bislang keine Rolle. Allerdings wurde das West-Nil-Virus bereits in Hyalomma-Zecken nachgewiesen, so dass möglicherweise eine Gefahr für Pferde von den Zecken ausgeht. Hyalomma ist auch im Hochsommer aktiv, da sie im Gegensatz zum Holzbock auch Trockenheit sehr gut verträgt.

Summary Zecke

Entwicklungsstadien der Zecken

Den meisten Tierhaltern ist sicherlich bereits aufgefallen, dass auf unseren Haustieren verschiedene Entwicklungsstadien von Zecken zu finden sind. Bei Holzbock, Auwaldzecke und Igelzecke handelt es sich um dreiwirtige Zecken. Das bedeutet, dass die Tiere in jedem Entwicklungsstadium Blut eines Wirtes aufnehmen müssen. Die Weibchen dieser Zeckenarten fallen nach der Blutmahlzeit von ihrem Wirt ab und legen in einem Nest ihre Eier. Die Weibchen selbst sterben, noch bevor aus den Eiern die sechsbeinigen Larven schlüpfen. Die Größe der Zeckennester ist äußerst variabel, sie variierte in einer Studie zwischen 10 und 1643 Larven. Die mit etwa 0,5 mm winzigen Larven gehen wiederum auf die Suche nach einem neuen Wirt. Vor allem Kleintiere wie Mäuse, Ratten oder auch sehr kleine Hunde und Katzen werden von ihnen befallen. Die Larve saugt nur 3-4 Tage Blut und häutet sich nach dem Abfallen vom Wirt zu einer achtbeinigen Nymphe, die abermals einen Wirt für eine Blutmahlzeit benötigt. Nach unterschiedlicher Zeitspanne erfolgt die letzte Häutung zur erwachsenen Zecke. Der gesamte Entwicklungszyklus dauert bei den Holzböcken bis zu 6 Jahre, bei Igel- und Auwaldzecken etwa 2 Jahre. Die Larven und Nymphen können zwischendurch auch mehrere Jahre ohne Blut auskommen, wenn kein geeigneter Wirt zur Verfügung steht.

Die in Deutschland gefunden Hyalomma-Arten sind zweiwirtige Zecken. Sie benötigen für die Häutung von der Larve zur Nymphe keine Blutmahlzeit.

Nützliche Tipps neben der Parasitenabwehr

In einem früheren Blogartikel haben wir bereits über Möglichkeiten der Zeckenabwehr berichtet: Zecken

Falls sich doch eine Zecke an ihrem Haustier festgesaugt hat, sollte diese möglichst zügig entfernt werden. Die Zecke darf hierbei auf keinen Fall manipuliert oder gequetscht werden, weil sie dann ihren infektiösen Speichel in die Haut des Wirtes „erbricht“ und die Gefahr einer Ansteckung mit Krankheitserregern stark ansteigt. Zeckenhaken eignen sich ideal zur Entfernung der Plagegeister. Sie können dicht auf der Haut des Wirtes angesetzt werden und die Zecke kann ohne Berührung oder Quetschung mit wenigen Umdrehungen entfernt werden.

Viele Labore bieten  die Einsendung von Zecken zur Untersuchung auf Art und enthaltene Krankheitserreger an. Dies kann dem Haustier die Blutentnahme ersparen, wenn dem Tierbesitzer eine bereits festgesaugte Zecke ungewöhnlich vorkommt. Allerdings bedeuten in der Zecke identifizierte Erreger nicht zwangsläufig, dass sich ein Haustier angesteckt hat. Denn das Immunsystem unserer Vierbeiner ist außergewöhnlich leistungsfähig und verhindert das Eindringen von Krankheitserregern in den meisten Fällen zuverlässig.

Für eine Risikoanalyse vor Ort eignet sich die sogenannte Flaggenmethode. Ein weißes Tuch wird hierfür an einem Stock befestigt, so dass eine Flagge entsteht. Wenn diese Flagge über Weiden oder Wiesen gezogen wird, bleiben die Zecken daran haften. Bei einem starken Befall sind diese Bereiche bei Spaziergängen mit dem Hund oder als Weidefläche für Pferde zu meiden.

Übrigens: Aus wissenschaftlicher Sicht ist ein Zeckenbiss ein Zeckenstich, denn Zecken stechen – sie beißen nicht 😊.

Paard Chat Hond

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