04/J
Kräuterkiste für Pferde
Eine Kräuterkiste bietet Pferden eine abwechslungsreiche Kräuterauswahl, idealerweise von Frühling bis Herbst, zur Ergänzung des Futterangebotes auf artenarmen Weiden. Da die Pferde selbst abweiden, brauchen wir wüchsige und verbissfeste Pflanzen, die im Boden gut verwurzelt sind.
Im Unterschied zu Hochbeeten für den Gemüse- und Kräuteranbau im Garten, muss die Kiste nicht besonders hoch aufgebaut werden. Ca. 40 cm Höhe für die Erdschichtungen reichen völlig, und dazu etwas 20 cm Vegetationsraum, der durch Draht oder Gitter von oben abgegrenzt wird. So wird verhindert, dass die Pferde die Pflanzen komplett abfressen oder ausrupfen.
Die Kiste wird auf dem Boden und am Rand mit engmaschigem Hasendraht ausgekleidet, damit von unten keine Wühlmäuse eindringen können.
Durch den direkten Bodenkontakt brauchen wir keine Drainage, sondern können das Pflanzsubstrat einfüllen. Idealerweise besteht es aus einer Mischung aus zwei Teilen Mutterboden mit einem Teil reifer Komposterde vermischt. Nehmen Sie wirklich reifen Kompost, der gut erdig und nach Waldboden riecht! Als Abschluss hat sich eine mineralische Schicht als Mulchschicht bewährt, aus Bims-Lava-Stein-Zeolith-Ton, Körnung 3 – 5 mm. Diese Substrate sind fertig im Gartenbedarf z. B. für Hydrokultur erhältlich. Als Deckschicht speichern sie Sonnenwärme ebenso wie Feuchtigkeit und verhindern das Austrocknen. Wer keinen Zugriff auf Mutterboden und Kompost hat, der kann auch einfach Bio-Hochbeeterde mit ca. 20 % Sand oder Lavamulch aus dem Gartenmarkt vermischen.
Wer schon einmal ein Hochbeet mit viel Kompostmaterial aufgebaut hat, der weiß, wie schnell das zusammensacken kann. Das vermeiden wir durch den hohen Anteil an Gartenerde und / oder Mutterboden bzw. Lavamulch. Im Unterschied zum Gartenhochbeet, das man für Salate und Gemüse mit nährstoffreichen Kompost-Substraten aufbaut, wollen wir in unserer Kräuterkiste ein Substrat mit einem mittleren Nährwert, eben das, was Kräuter und Wildpflanzen am Naturstandort bevorzugen. Pferdemist ist für Hochbeete mit Gemüsesorten eine gute Basis, für Kräuterkisten wäre die Düngung zu stark.
Welche Pflanzen passen in die Kräuterkiste?
Bei der Auswahl der Pflanzen achte ich besonders darauf, dass sie gut und problemlos wachsen. Die Wurzeln sollten in die Tiefe gehen, die Pflanze so gut verankern und sie sollten den Verbiss oder das Abweiden ertragen können.
Estragon, Artemisia dranunculus
ist eine gut wachsende Staude, die bis zu 1,50 Meter hoch wächst. Estragon kann gut zurückgeschnitten oder abgefressen werden. Er liefert vor allem Bitterstoffe, dazu Aromata und Flavonoide, wirkt krampflösend, verdauungsfördernd und ist entzündungshemmend.
Pfefferminze, Mentha piperita,
ist ein wunderbares krampflösendes Kraut. Sie ist bronchial- und stoffwechselaktiv. Mit ihrem typischen Mentholduft und ätherischen Ölen ist sie leicht zu bestimmen. Pfefferminze flaniert durch das Beet und sucht sich immer wieder einen neuen Standort. Sie kann mehrfach im Jahr geerntet werden. Für Ihre Kräuterkiste rate ich zu der robusten und starkwüchsigen Apfelminze.
Spitzwegerich, Plantago lanceolata
Der Spitzwegerich ist eine klassische Atemwegspflanze, mit seiner natürlichen keimhemmenden Wirkung stärkt er auch die Verdauung, schützt und stärkt die Darmschleimhaut. Spitzwegerichwurzeln können bis zu 1,50 m tief in den Boden eindringen und bleiben dadurch auch in trockenen Sommern grün.
Origano oder Wilder Majoran, Origanum vulgare
gibt es in unterschiedlichen Züchtungen. Wählen sie grünblättrige Arten, die hoch wachsen. Für Steingärten gibt es buntblättrige kleinwüchsige Sorten, die für unsere Zwecke uninteressant sind. Origanum unterstützt die Atemwege und die Verdauung, stabilisiert den Darm, wirkt gegen Gasbildner, Gärungen und Fäulnisprozesse im Darm und er vertreibt Darmparasiten.
Salbei, Salvia
Salbei ist ein Halbstrauch und wenn wir ihn in die Kräuterkiste pflanzen, so sollten wir nicht den Gartensalbei, Salvia officinalis wählen, denn der wächst einfach zu langsam. Der Dreilappige Salbei, Salvia fructescens, ist eine starkwüchsige Salbeiart, gut bekömmlich und in der Anwendung dem Gartensalbei gleichzusetzen. Er ist kräftig im Wuchs und schlägt nach Rückschnitt oder Abweidung gut wieder aus. Salbei wirkt auf die Schleimhäute. Meist wird er bei Problemen der Mund- und Rachenschleimhäute eingesetzt, er reguliert aber auch Magen- und Darmflora und ist eine guter Partner zu Origanum.
Fenchel, Foeniculum vulgare
Als Doldengewächs empfehle ich den Fenchel, Foeniculum vulgare. Als mehrjährige Staude kann er bis zu 2 m hoch werden. Das werden Ihre Pferde sicher verhindern, denn sie fressen die Blätter und Stängel ab, es werden sich daher auch kaum Blüten und Samenstände bilden können. Mit seinen ätherischen Ölen unterstütz der Fenchel die Atemwege und die Verdauung. Fenchel beruhigt den Magen, er verhindert Blähungen und Fehlgärungen im Darm.
Ringelblume, Calendula officinalis
Die Ringelblume ist ein Multitalent, entzündungshemmend und dabei innerlich wie äußerlich wundheilend. Die pflegende Wirkung der Salbe ist allgemein bekannt, dieselbe Unterstützung leistet die Ringelblume innerlich auf den Schleimhäuten im Maul, in Magen und Darm. Unseren Pferden helfen sowohl die Blüten, wie die grünen Blätter und auch die Samenstände. Ringelblume ist einjährig, sie sät sich aber immer wieder selbst aus und sorgt gerade am Anfang durch ihre Wüchsigkeit für Fülle in der Kräuterkiste. Sie kann direkt eingesät oder auch als Jungpflanze gesetzt werden.
Kamille, Matricaria chamomilla
Nicht ganz so wüchsig wie die Ringelblume, aber ebenso wertvoll ist die Kamille. Auch sie ist ein einjähriger Korbblütler, den wir gut zwischen die Bepflanzung säen oder anpflanzen können. Kamille wirkt entzündungshemmend, krampflösend und entspannend. Sie hilft universell im gesamten Verdauungstrakt.
Liebstöckel, Levisticum officinale
In einer großen Kiste findet sich auch ein Platz für eine Liebstöckelstaude, Levisticum. Liebstöckel kann, wie der Fenchel, 2 m hoch wachsen. Die aromatischen Blätter sind stoffwechselaktiv und stärken den Urogenitalbereich. Wegen der Erhöhung der Harnmenge wird Liebstöckel bei entzündlichen Erkrankungen der Harnwege und bei Nierengrieß eingesetzt.
Taubnessel, Lamium album
Eine dankbare und im zeitigen Frühling erscheinende Pflanze ist die Weiße Taubnessel. Als nicht brennende, also als taube Nessel repräsentiert sie die große Familie der Lippenblütler, Lamiaceae, mit ihren zahlreichen duftenden Heil-, Würz- und Zierpflanzen.
Die Taubnessel wirkt regulierend auf alle Schleimhäute und hilft Entzündungen zu vermeiden und kann Belägen oder Soor vorbeugen. Mit ihren vierkantigen Stängeln und ihren kreuzgegenständigen Blättern verkörpert sie sehr deutlich die Signatur aller Lippenblütler: klares Ordnungsprinzip, ihre Vertreter schaffen Ordnung im Organismus und beseitigen Ungleichgewicht und Disharmonie.
Das gilt auch für Rosmarin, Thymian und Lavendel, alles ebenfalls Lippenblütler. Sie werden häufig für Kräuterkisten empfohlen. Sie haben in der Pferdeernährung unbedingt ihre Bedeutung, aber als holzige Halbsträucher wachsen sie sehr langsam. Für Ihre Kräuterkiste rate ich deswegen davon ab.
Unser Tipp:
Wenn Sie in diesem Jahr Ihren Pferden einen nennenswerte Kräuterernte anbieten möchten, lohnt es sich, bei Bekannten in Gärten um Ableger zu bitten. Diese sind klimatisch bereits gut angepasst und nicht direkt aus dem Mittelmeerraum importiert. Außerdem können Sie sich bei der Teilung der Ableger oft großzügig bedienen. Verglichen mit den Pflänzchen aus den Gartenmärkten, die in 10 cm Töpfen sitzen, starten diese Pflanzen sehr schnell mit dem Wachstum und sind für Ihre Pferde einfach verfügbar.


