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Zeckenübertragene Erkrankungen beim Hund in Deutschland: Borreliose, Babesiose & Co. im Blick
Vektorübertragene Erkrankungen beim Hund: Teil 1 – Deutschland
Bei den vektorübertragenen Krankheiten handelt es sich um Infektionserkrankungen, die über einen Überträger (Vektor) von einem Tier auf das andere weitergegeben werden. Vektoren können zum Beispiel Zecken, Mücken, Flöhe, Läuse oder Milben sein. Allerdings nutzt ein Krankheitserreger meist nur einen speziellen Vektor, um sich auszubreiten. Der Vektor dient dabei jedoch nicht ausschließlich der Übertragung auf einen neuen Wirt, häufig findet im Vektor auch ein Teil des Entwicklungszyklus der Erreger statt. Wenn Vektoren neue Gebiete erobern, ist dies zwangsläufig immer auch mit einer Ausbreitung der von ihnen übertragenen Infektionskrankheiten verknüpft. Viele der vektorübertragenen Erkrankungen sind als sogenannte Reisekrankheiten oder Mittelmeerkrankheiten bekannt, da sie vorwiegend in den südlichen Ländern Europas vorkommen. Mit einigen vektorübertragenen Krankheiten können sich Hunde jedoch auch in Deutschland anstecken. Auf diese Erkrankungen soll in diesem Beitrag näher eingegangen werden.
Anaplasmose
Die Anaplasmose ist eine bakterielle Infektionskrankheit. Bei der Anaplasmose existieren zwei verschiedene Erreger, die auch über unterschiedliche Vektoren übertragen werden. Bei uns in Deutschland und im nördlichen Europa heimisch ist der Erreger Anaplasma phagocytophilum, welcher durch unseren einheimischen Holzbock übertragen wird. In Südeuropa hingegen existiert der Erreger Anaplasma platys, sein Überträger ist die dort vorkommende Braune Hundezecke. Die Anaplasmose verläuft in Schüben, die zwischen akuten und chronischen Phasen wechseln. Nach einer Inkubationszeit von 1-2 Wochen kommt es in der Regel zunächst zu einem akuten Ausbruch der Erkrankung mit Fieber, wechselnder Lahmheit, Gelenksentzündung und Lymphknotenschwellungen. Da bei der Anaplasmose häufig die Blutgerinnung gestört ist, können auch Nasenbluten oder Schleimhautblutungen im Bereich von Maul und Zahnfleisch auftreten. Dazu zeigen betroffene Hunde oft Schwäche und bei Fieber auch großen Durst. In der chronischen Phase können die Hunde über Monate und Jahre unauffällig sein oder hin und wieder leichtere Lahmheiten oder andere unspezifische Symptome zeigen. Die Übertragung der Anaplasmen erfolgt in der Regel erst ab einer etwa 24-stündigen Saugzeit der Zecke. Das regelmäßige Absuchen des Hundes nach dem Spaziergang und die umgehende Entfernung der Zecke können somit die Wahrscheinlichkeit einer Infektion mit Anaplasmen drastisch reduzieren. Bei einer frühzeitigen Behandlung der Erkrankung besteht die Hoffnung auf ein vollständiges Abtöten der Erreger. Häufig gelingt dies jedoch nicht, so dass ein einmal infizierter Hund die Erreger lebenslang in sich trägt. Bei einer Schwächung des Immunsystems (zum Beispiel durch eine Vollnarkose oder das Immunsystem unterdrückende Medikamente) kann die Erkrankung auch wieder akut auftreten. Der bei uns heimische Erreger Anaplasma phagocytophilum kann auch Menschen infizieren. Eine direkte Ansteckung über den Hund ist jedoch ausgeschlossen, da auch für eine Infektion des Menschen der Vektor Holzbock vom Erreger benötigt wird.
Babesiose
Die Babesiose wird auch als Hundemalaria bezeichnet, da der Erreger ähnlich der Malaria beim Menschen die roten Blutkörperchen (Erythrozyten) befällt. Es existieren verschiedene Arten von Babesien. In Deutschland wird der Erreger Babesia canis über die Auwaldzecke auf Hunde übertragen, die Inkubationszeit beträgt etwa 1-3 Wochen. Von Babesia canis sind 2 verschiedene Stämme bekannt, die unterschiedlich krankmachend sind. Der sogenannte „Ungarn-Stamm“ hat seinen Ursprung in den osteuropäischen Ländern und wird in Deutschland vor allem in den Bundesländern Thüringen, Sachsen, Sachsen-Anhalt sowie im Raum Berlin-Brandenburg übertragen. Allerdings scheint der Erreger Richtung Norden zu ziehen, da neuerdings über Fälle aus Mecklenburg-Vorpommern berichtet wird. Aus Westeuropa hat sich der sogenannte „Frankreich-Stamm“ nach Deutschland verbreitet, der vorwiegend in den Bundesländern Hessen, Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und im Saarland auf den Hund übertragen wird. Eine Infektion mit dem Ungarn-Stamm verläuft oft schwerwiegender und der Stamm muss auch aggressiver therapiert werden. Da die Babesien die roten Blutkörperchen zerstören, treten als akute Folge einer Ansteckung Symptome wie blasse Schleimhäute, eine starke Blutarmut und dunkelbrauner Urin auf. Die Hunde sind häufig völlig apathisch, haben hohes Fieber und stellen die Nahrungsaufnahme ein. Ein akuter Ausbruch der Babesiose ist schnell lebensgefährlich, da innerhalb kürzester Zeit die gesamten roten Blutkörperchen befallen und zerstört werden können, so dass betroffene Hunde manchmal sogar eine Erythrozytentransfusion benötigen. Aufgrund der Blutarmut werden auch die Organe schlecht durchblutet und es kommt schnell zu Folgeschäden, die sich zum Beispiel als Niereninsuffizienz zeigen. Bei guter Abwehrlage des Körpers ist nach einer Infektion jedoch auch ein chronischer Verlauf möglich, der häufig vom Besitzer unbemerkt bleibt. Jedoch besteht dann jederzeit das Risiko eines Krankheitsausbruches, weshalb mit Babesia canis infizierte Hunde immer behandelt werden sollten. Babesien sind Einzeller, Antibiotika sind daher bei diesem Erreger nicht wirksam. Allerdings existieren andere Präparate, mit denen die Babesien komplett eliminiert werden können, so dass der Hund nach der Therapie als geheilt gilt. Der Erreger Babesia canis kann nicht auf den Menschen übertragen werden, eine Infektion mit diesem Erreger über den Hund oder Zecken ist als Hundebesitzer nicht möglich.
Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME)
Die FSME ist eine Virusinfektion, die in Europa weit verbreitet ist. Bei uns in Deutschland infiziert sich der Hund durch den Holzbock, der als Vektor vor allem in den südlichen Regionen wie Bayern und Baden-Württemberg den Erreger in sich trägt. Die Inkubationszeit beträgt wenige Tage bis zu 3 Wochen und die Viren werden sofort ab dem Stich der Zecke übertragen. FSME-Infektionen sind bei Hunden in Deutschland keine Seltenheit, jedoch bricht die Erkrankung in der Regel nicht aus. Als Ursache wird vermutet, dass Hunde eine gewisse Resistenz gegen den Erreger entwickelt haben. So sind bei diesen Hunden zwar Antikörper gegen FSME-Viren in Form eines Titers nachweisbar, dieser Titer muss jedoch nicht behandelt werden. Rottweiler scheinen eine gewisse Prädisposition für FSME-Ausbrüche zu haben, bei ihnen sollte nach Zeckenbefall ganz besonders sorgfältig auf mögliche Symptome geachtet werden. Diese können mit Appetitlosigkeit, Antriebslosigkeit, körperlicher Schwäche und einer Überempfindlichkeit auf Licht- und Berührungsreize zunächst unspezifisch sein. Nach wenigen Tagen entwickeln sich dann jedoch die typischen Symptome einer kombinierten Entzündung von Gehirn und Hirnhaut. Die betroffenen Hunde zeigen Verhaltensänderungen, Stereotypien, Ataxien, Krampfanfälle und oft auch hohes Fieber. Wie bei vielen durch Viren ausgelösten Erkrankungen, beschränkt sich auch bei FSME die Therapie eher auf eine symptomatische Behandlung. Es besteht keine Ansteckungsgefahr für Menschen über den Kontakt mit infizierten Hunden.
Borreliose
Die Borreliose ist eine bakterielle Infektionskrankheit, die bei Hunden in ganz Deutschland auftreten kann. Der Erreger Borrelia burgdorferi wird über den heimischen Holzbock übertragen, die Zecke muss hierfür aber mindestens 24 Stunden gesaugt haben. In den Bundesländern, Brandenburg, Sachsen und Bayern ist das Infektionsrisiko am höchsten, hier sind bis zu 50 % der Holzböcke mit Borrelien infiziert. Die Inkubationszeit ist lang, oft treten Symptome erst nach 2-4 Monaten auf, wenn die Zecke längst vergessen ist. Die vom Menschen bekannte Wanderröte tritt hin und wieder auch beim Hund auf, allerdings wird diese aufgrund des dichten Fells meist nicht vom Tierbesitzer bemerkt. Viele Hunde tragen die Bakterien still in sich und entwickeln keine klinische Erkrankung, nur etwa 5 % der infizierten Hunde werden symptomatisch. Ein Krankheitsausbruch zeigt sich in Form von Gelenksentzündungen, wechselnder Lahmheit, Lymphknotenschwellungen und Fieber. Antibiotika dämmen den Erreger ein, es wird jedoch oft keine Heilung erreicht. So muss damit gerechnet werden, dass die Erkrankung bei schlechter Immunlage oder nach Operationen wieder ausbrechen kann. Die Borreliose ist eine Erkrankung, die auch beim Menschen bekannt ist, jedoch ist eine direkte Ansteckung von Mensch zu Hund nicht möglich.
Wie kann ich meinen Hund vor den genannten Erkrankungen schützen?
Ein Schutz vor den vektorübertragenen Erkrankungen kann über eine bestmögliche Abwehr des Überträgers Zecke erreicht werden. Im Idealfall wird hier eine Kombination aus innerlich und äußerlich zu verabreichenden Mitteln angewendet. Für die äußere Verwendung sind Kokosöl, Bernsteinketten, EM-Keramikbänder und Präparate auf Basis von Margosa-Extrakt oder Geraniol empfehlenswert. Die innere Anwendung kann beispielsweise aus Schwarzkümmelöl, Kokosöl, Bierhefe oder Knoblauchpulver bestehen. Eine gesunde Grundversorgung mit Immunsystem-unterstützenden Kräutern wie Zistrose oder Echinacea sorgen dafür, dass sich der Körper des Vierbeiners selbstständig gegen eine Ausbreitung potenzieller Erreger schützen kann.
Die schnellstmögliche Entfernung einer festgesaugten Zecke sollte selbstverständlich sein und verringert die Infektionsgefahr im hohen Maße. Nützliche Tipps zur Zeckenentfernung finden Sie in unserem Blogbeitrag Die Zeckensaison hat begonnen.

