08/J
Wachteln halten – aber natürlich!
Klein, quirlig und charmant! Wachteln sind robuste, genügsame Tiere, die bei guter Haltung regelmäßig Eier legen und relativ wenig Platz benötigen. Und es macht einfach Spaß die kleinsten Hühnervögel der Welt zu beobachten. Doch wie gelingt es, diese faszinierenden Vögel wirklich artgerecht und naturnah zu halten? In diesem Beitrag zeigen wir, worauf es bei der Wachtelhaltung ankommt – und wie man das Wohlbefinden der Tiere durch naturnahe Bedingungen fördern kann.
Was bedeutet „naturnah“ in der Wachtelhaltung?
Naturnahe Haltung orientiert sich an den Lebensgewohnheiten und Bedürfnissen der Tiere in der freien Wildbahn. Allerdings sind Wildwachteln kleiner und nicht so auf Legeleistung getrimmt wie ihre gezüchteten Verwandten. Zwerg- und Zierwachtelarten brauchten zum Teil besondere Pflege und nicht alle vertragen frostige Außentemperaturen. Ich schreibe hier über die beliebte und robuste japanische Legewachtel – mit all ihren wunderschönen Farbschlägen.
Wieviel Tiere pro qm:
Während in der kommerziellen Zucht ca. 20 Wachteln pro Quadratmeter gehalten werden können, kommt das für eine artgerechte Haltung nicht in Frage. Ob es denn dann wirklich nur 1 Tier pro qm sein sollte, wie in manchen Foren gefordert wird, ist fraglich. Bei 2-3 Tieren pro qm kann man mit ausreichend Struktur für genügend Ausweich- und Versteckplätze sorgen. Und bei so geringem Besatz ist die Gefahr von Kotklumpen an den Füßen geringer – auch wenn es sehr niedliche Videos gibt, wo Wachteln die Füße gewaschen und anschließend trockengefönt bekommen und diese „Wellness-Behandlung“ scheinbar sehr genießen 😉
Hahn oder Henne oder alle zusammen:
Legewachteln sind Gruppentiere und für Anfänger in der Wachtelhaltung eignet sich eine Gruppe von 5-7 Hennen. So viele Damen sollten es denn auch sein, wenn ein Hahn dazu kommt. Nötig ist das aber nicht, Eier werden auch ohne Hahn gelegt und oft ist eine rein weibliche Gruppe harmonischer. Wer weder Eier noch Hennen möchte, kann sich auch gerne an Hähne wagen. Diese werden aufgrund der nicht benötigten Überzahl meist aussortiert und landen im Kochtopf. Theoretisch sollte eine reine Männergesellschaft zu Stress und Kämpfen führen, aber die Praxis zeigt, dass es sehr wohl funktionieren kann. Dafür braucht man aber viel Platz, gute Nerven und auch die Möglichkeit bei Bedarf – in Sichtweite – abzutrennen. Also nur für sehr ambitionierte Tierschützer anzuraten, die sich dieser Herausforderung stellen möchten.
Das Zuhause der Wachtel
Mancher hat einen alten, gemauerten Stall oder ein ganzes Gartenhaus, dass er für seine Wachteln umbauen möchten. Ein Außenbereich fördert die Gesundheit und das natürliche Verhalten. Meist werden sie direkt in Volieren gehalten. Egal was – wichtig ist: Sicher muss es sein! Wachteln sind sehr beliebte Leckerbissen für alle möglichen Fressfeinde und stehen bei Fuchs, Marder, Ratten und Raubvögel auf der Speisekarte. Und die lassen sich so manches einfallen, um an ihre Beute zu kommen. Hier die wichtigsten Punkte, die es zu beachten gilt, wenn man an seinen Wachteln lange Freude haben möchte.
Der Volieren-Draht
- Mindestens 1 mm stark (die beschichteten sind oft zu dünn), damit Ratten und Marder sich nicht durchbeißen können
- Ideale Maschenweite 12x12
- punktverschweisst
- Nicht nur tackern, besser eine ganze Leiste zusätzlich darüber schrauben, damit ein Fressfeind sich nicht einfach nur dagegen werfen braucht, um eine Einstiegs-Lücke zu schaffen
Holzwände oder Stall
- Auch Holzwände stellen für Ratten keine wirklichen Hindernisse da
- Ein Stall sollte möglichst innerhalb einer geschützten Voliere stehen oder zusätzlich mit Draht gesichert werden
- Einfache Verriegelungen an Türen oder Fenstern können von geschickten Tieren wie Füchsen geöffnet werden, hier lohnt es sich, über „Steckbolzen“ und andere Sicherungen nachzudenken
Der Boden
- Geeignet ist ein Betonboden oder Pflastersteine
- Aber Achtung! Ratten können sich unter Pflastersteine graben und diese damit zum Absacken bringen. So entstehen Lücken, durch die sie dann in den Stall gelangen. Auch hier sollte der Boden zusätzlich mit Draht unter dem Pflaster gesichert werden.
Und noch etwas zur Höhe
- Über 190 cm ist ideal, so kann man nicht nur bequem auf Eiersuche gehen und sauber machen, sondern bei einem „Schreckflug“ der Wachtel ist der meiste Schwung schon raus und sie brechen sich nicht direkt das Genick an der Decke. Wem der nötige Platz für die Höhe fehlt, der sollte nicht über 50 cm hinaus planen, dann können die kleinen Flieger erst gar nicht so viel Schwung holen.
Volieren im Winter
Auch wenn sie klein sind, temperaturempfindlich sind Wachteln nicht. Zumindest was Minusgrade angeht. Da kommen sie mit -15 Grad noch problemlos zu Recht. Dafür sollte es aber zugfrei sein und sie dürfen nicht nass werden. Anders als ihre in freier Wildbahn lebenden Verwandten, würden Wachteln sich nicht unbedingt vor Regen in Sicherheit bringen, können aber durchaus an Unterkühlung oder folgenden Erkältungen sterben. Also, wer es nicht schafft, seiner Wachtel Gummistiefel und Regenmütze anzuziehen, der kommt um eine komplette Überdachung nicht herum. Die braucht man sowieso schon, um die zierlichen Vögel vor Fressfeinden wie Marder, Ratten oder Raubvögeln zu schützen. Und nicht zu vergessen: Wachteln gehören ursprünglich zu den Zugvögeln und können noch immer sehr gut fliegen – und sind nicht wie Hühner Standorttreu. Wenn dann noch drei Seiten der Voliere „wetter- und zugluftsicher“ gemacht werden können, dann steht einem Überwintern nichts im Wege. Wer einen geschlossenen Schutzbereich mit einer Wärmequelle versehen möchte, sollte darauf achten, dass der Temperaturunterschied zu draußen nur ca. 5 Grad beträgt, sonst schadet es mehr, als es nutzt, und die kleinen Tiere erkälten sich umso schneller.
Volieren im Sommer
Ausreichend Schattenplätze sind ein Muss. Denn Wachteln können nicht schwitzen. Ist ihnen zu warm hecheln sie, können damit aber nur bedingt den Körper runterkühlen. Gerade unter den geschlossenen Volierendächern wird es auch bei noch nicht ganz so hohen Temperaturen sehr heiß. Hier helfen Schattennetze, die 80-99 % der Sonneneinstrahlung reflektieren und Verdunstungskälte über ein Nassspritzen des Daches. Von Vorteil ist es, wenn die „Seiten-Schutzwände“, zumindest zum Teil, entfernbar sind, so dass es nicht so schnell zu einer Stauungswärme kommen kann. Feuchte Sandbäder oder angefeuchtete Walderde wird oft gerne angenommen, manche Wachteln laufen auch durch Wasserschalen oder ruhen sich auf Kühlpacks/Kompressen aus. Wenn alles nicht mehr reicht, kann man die Tiere auch vorsichtig mit einer Blumenspritze ansprühen.
Die Einrichtung
Aus den Augen – aus dem Sinn. Das gilt zumindest bei Streitigkeiten für die meisten Wachteln. Deswegen ist es umso wichtiger, ausreichend Rückzugsorte in Form von Büschen, Ästen, Holzkisten, Grasnestern, Kaninchen-Häusern, Tunneln oder auch geeigneten Pflanzen und Gräsern in die Voliere zu integrieren. Hier sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt, damit die Wachteln sich aus dem Weg gehen können. Denn auch wenn die kleinen Vögel niedlich aussehen, sie gehören zu den Hühnern und die haben ja bekanntlich eine Hackordnung. Sollte eine Wachtel überhaupt nicht aufhören, die anderen zu attackieren, hilft es manchmal sie für einen kurze Zeit zu separieren – aber bitte in Sichtweite und auch nicht zu lange. Kleinere Streitereien gehören aber zum Wachtelalltag dazu und sollten auch nicht direkt unterbunden werden. Nur wenn es blutig wird, dann muss sofort getrennt werden. Wachteln reagieren auf die rote Farbe und hacken dann erst recht zu, und zwar alle auf die eine. Deswegen macht es Sinn sich bereits im Vorfeld beispielsweise einen mittleren Hasenkäfig als Quarantäne-Station zu besorgen, den man zur Not in die Voliere integrieren kann. Zum Glück heilen Wunden bei Wachteln in der Regel schnell und etwas Silberspray kann noch rote Stellen übertünchen.
Must have für Wachteln
- Wassertränken
Am besten geschlossen und auf Ständern, da Wachteln sehr viel scharren und auch hineinkoten, gut geeignet sind auch kleinere Wassertröge, die man im Halter etwas höher an den Volierendraht hängen kann - Futter-Spender
Auch hier sind die geschlossenen Varianten den offenen Schalen vorzuziehen, siehe oben bei Wassertränken - Gritsteine
Die festen Gritsteine sollten nicht fehlen, neben den wichtigen Mahlsteinen für den Magen bietet er jede Menge Mineralien und Spurenelemente und hilft bei der nötigen Abnutzung des Schnabels - Sandbäder
Von Tonuntersetzern für Pflanzen, Katzen-WCs bis zu Häuschen mit Plexisglas-Scheiben, die Auswahl ist riesig und Wachteln lieben sie alle - Verstecke, Verstecke, Verstecke
Legenester, Weiden-Tunnel, Iglus, Zelte, Körbe, Blumentöpfe… Wachteln brauchen Struktur und je mehr Verstecke, desto wohler fühlen sich die kleinen Hühnchen
Die richtige Einstreu
Wachteln sind Bodenvögel. Sie lieben es zu scharren, zu sandbaden und sich in lockerer Erde oder Pflanzenresten zu verstecken. Ein strukturierter Naturboden mit Sand, Buchenhack, Walderde, Hobelspänen und/oder Leinstroh-Anteilen ist ideal. Das Angebot an naturnaher Einstreu ist riesig und die neugierigen kleinen Vögel freuen sich über Abwechslung. Nur Stroh ist nicht gut geeignet, es bindet zu wenig Feuchtigkeit und dann können sich Kokzidien und andere Parasiten schnell vermehren. Überhaupt sollte man bei der Wahl der Einstreu-Art darauf achten, ob sie eventuell im Randbereich einer Außen-Voliere auch mal feucht werden kann. Dann trocknen dort Walderde, unbehandelte Pinienrinde oder auch Buchenhack leichter wieder ab.
Tipp: mit getrockneten Kräutern, getrockneten Mehlwürmern oder Körnern lässt sich die frische Einstreu in ein Scharr- und Erlebnisparadies verwandeln.
Pflanzen für Wachteln
Mit Kräutern, Gemüsen und Früchten sorgen wir bei unseren Wachteln für ein gesundes Milieu im Verdauungsbereich, besonders in Kropf, Magen und Darm. Hierzu eignen sich Kräuter und Kräutermischungen, die den Stoffwechsel und das allgemeine Wohlbefinden verbessern.
- Schafgarbe regt den gesamten Stoffwechsel an und stärkt die Darmflora.
- Taubnessel verbessert die Durchblutung der inneren Organe, insbesondere der Eierstöcke.
- Frauenmantel ist reich an speziellen Gerbstoffen, er beruhigt die Schleimhaute und wirkt antioxidativ.
- Basilikum wirkt verdauungsfördernd, entzündungshemmend und antibakteriell.
- Kerbel wirkt verdauungsfördernd, hilft gegen Blähungen und unterstützt die Ausleitung.
Geflügel wurde früher in Höfen und Bauerngärten frei gehaltenen. Das reichhaltige Futterangebot, aus dem die Tiere selbst auswählen konnten, ersetzen wir heute durch eine breite Kräuterfütterung. Damit wird das tägliche Futter mit Vitalstoffen, Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen organischen Ursprungs bereichert.
Fazit: Natürlich = verantwortungsvoll
Wer Wachteln hält, übernimmt Verantwortung – für Gesundheit, Wohlbefinden und ein möglichst artgerechtes Leben der Tiere. Naturnahe Haltung heißt, sich am Tier zu orientieren und da haben die kleinen Hühner berechtigte Ansprüche bei der Planung ihres neuen Zuhauses: Gruppenhaltung, Licht, Schutz, naturnahe Einstreu, Futtervielfalt und Beschäftigung.
Die Belohnung: gesunde, zufriedene Wachteln, die sich wohlfühlen – und HalterInnen, die täglich mit dem faszinierenden Verhalten ihrer kleinen Schützlinge beschenkt werden.
Die Autoren:
Martina Kamp ist Tierheilpraktikerin und begeisterte Wachtel-Halterin von sechs Tenebrosus/Schecken Hennen auf 8 qm
Manfred Hessel ist Phytotherapeut und Inhaber von PerNaturam
Literatur-Tipps:
- Wunderbare Wachtel-Welt von Michal Volk & Anne Baresch
- Happy Wachteln in meinem Garten von Robert Höck
- Heilwirkung der Wachteleier von Siegrid Hirsch






